Burgen
Niemodlin, Oppeln
In den Kreuzgängen hängen noch immer „Buntglasfenster“ aus farbiger Folie, und im Hof sieht man auf Sperrholz gemalte Rahmen von Mönchszellen – Erinnerungen an den Film „Jasminum“, den Jan Jakub Kolski im damals verfallenen Schloss drehte. Schloss Falkenberg in Niemodlin blickt auf mehr als 700 Jahre Geschichte zurück: Piastenherzöge von Oppeln, schlesische Grafen und vergessene Jahrzehnte der Volksrepublik – und seit einigen Jahren ist es auch ein Beispiel für ein Baudenkmal, das wieder zum Leben erwacht. Die Führung reicht vom Renaissancehof bis in die Keller mit Folterkammer, und im Park leben Damhirsche.
1313 ließ Herzog Bolesław der Erstgeborene, Sohn Herzog Bolkos I. von Oppeln, am linken Ufer der Steinau (Ścinawa Niemodlińska) eine gemauerte Burg anstelle einer älteren Holzburg errichten. Der gotische Bau ging fast vollständig in späteren Mauern auf, doch Spuren davon – glasierte Ziegel und Steinmetzarbeiten – sind im Südwestflügel noch zu erkennen. 1428 zerstörten die Hussiten die Burg, 1552 brannte sie aus.
Ihre heutige Gestalt erhielt sie unter den neuen Besitzern, den Pücklern und später den Promnitz. In mehreren Etappen im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert entstand eine vierflügelige Residenz mit Arkadenhof, inspiriert – wie die nahen Schlösser in Brieg und Proskau – von den Arkadengängen des Krakauer Wawels. 1643 litt das Schloss im Dreißigjährigen Krieg, vom späten 18. Jahrhundert bis 1945 gehörte es den Grafen Praschma, die die Innenräume umgestalteten.
Am Eingang zu den Verliesen liegt der sogenannte Stein der Kraft. Eine neuzeitlich aufgeschriebene Legende verbindet ihn mit einem angeblichen Treffen der Hexe Ragana mit Herzog Mieszko I. – eine Erzählung, keine historische Tatsache.
Die Innenräume sind nur mit Führung oder in Begleitung eines Mitarbeiters zugänglich; die Führung dauert etwa 60 Minuten, beginnt zur vollen Stunde, und laut Besucherordnung ist eine Reservierung nötig (online, telefonisch oder per E-Mail). Laut Ordnung ist das Schloss von April bis Oktober dienstags bis freitags von 10:00 bis 16:00 Uhr und am Wochenende bis 18:00 Uhr geöffnet, von November bis März dienstags bis sonntags von 10:00 bis 16:00 Uhr. Letzter Einlass ist eine Stunde vor Schluss; die aktuellen Eintrittspreise finden Sie auf der Website des Schlosses. Das Schloss liegt rund 30 km westlich von Opole (Oppeln) an der Landesstraße 46 und hat einen Parkplatz. Nehmen Sie sich Zeit für den Park mit sieben geschützten Naturdenkmal-Bäumen und dem Damwildrudel sowie für das Restaurant 1313 in der ehemaligen Remise, wo man in einer von vier originalen Pferdeboxen sitzt.
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