Denkmäler
Nowy Sącz, Kleinpolen
Die Mauern der Synagoge von Nowy Sącz sind nur 8 m hoch – ein Privileg von 1699 schrieb vor, dass sie die kleinste Kirche der Stadt nicht überragen durfte. Die barocke Stadtsynagoge (Synagoga Grodzka) von 1746 steht im Herzen des ehemaligen jüdischen Viertels, wenige Schritte von der Ruine der königlichen Burg. Über drei Jahrzehnte beherbergte sie eine Galerie des Bezirksmuseums, seit 2017 ist sie wieder ein Gebetshaus für Chassidim, die mit der Sanz-Dynastie verbunden sind.
Die gemauerte Synagoge ersetzte eine ältere aus Holz und entstand auf Grundlage eines Privilegs des Starosten von Nowy Sącz, Jerzy Paweł Lubomirski, vom 3. Februar 1699. Vorbild sollten die Synagogen in Chełm und Chęciny sein. So entstand ein rechteckiger Bau von 25 × 19 m mit hohem, schindelgedecktem Mansarddach, dem sogenannten polnischen Dach. 1889 skizzierte der Maler Stanisław Wyspiański das Innere – seine Zeichnungen sind heute ein unschätzbares Zeugnis des Saals vor der Katastrophe.
1894 brannte die Synagoge vollständig aus, doch die soliden Mauern hielten stand. Die jüdische Gemeinde baute sie rasch wieder auf und gab ihr ein neues Gesicht: eine flache Decke im Hauptsaal, ein neues Dach und eine neue Fassade mit zwei quadratischen, zweigeschossigen Türmen. Die Öffnungen im oberen Teil der Türme haben außen einen maurischen Umriss, der Eingang wird von einer Blende in Hufeisenbogenform gerahmt. Diese Mischung aus maurischen und neoromanischen Elementen war im 19. Jahrhundert in der Synagogenarchitektur Mitteleuropas in Mode.
Im Zweiten Weltkrieg verwüsteten die Deutschen das Innere und lagerten hier geraubtes jüdisches Eigentum. Nach dem Krieg blieb das Gebäude ein Lager, und der reich verzierte Toraschrein an der Ostwand wurde zugemauert. 1974 übergab die Gemeinde die Synagoge der Stadt, die sie dem Bezirksmuseum überließ. Nach einer Generalsanierung beherbergte sie ab 1982 die Galerie „Alte Synagoge“ mit der Judaica-Ausstellung „Sie waren unter uns“. Am 24. Juli 1994 wurde an der Wand eine Tafel auf Polnisch, Jiddisch und Hebräisch enthüllt, gestiftet von der Landsmannschaft der Juden aus Nowy Sącz in Israel; sie erinnert an die 25.000 Juden aus Nowy Sącz und Umgebung, die 1939–1945 ermordet wurden.
2015 übergaben die Museumsleute die Schlüssel an die Jüdische Gemeinde Krakau, und mehrere Tausend hier gelagerte Exponate zogen ins Freilichtmuseum Galizisches Städtchen (Miasteczko Galicyjskie) um. Die Wiederherstellung der religiösen Funktion übernahm die Stiftung Bonei Sanz unter Leitung des New Yorker Rabbiners Joel Halberstam – eines Ururenkels des Zaddik Chaim Halberstam, dessen Grab in Nowy Sącz Tausende Chassidim aus aller Welt besuchen. „Sanz“ ist der jiddische Name der Stadt und gab einer bedeutenden chassidischen Dynastie ihren Namen. Spät am Abend des 23. Mai 2017 wurde unter Gesang und Tanz von rund 200 Chassidim, meist aus New York, eine Torarolle in die Synagoge getragen.
Die Synagoge steht in der ul. Berka Joselewicza 12, wenige Gehminuten vom Marktplatz. Sie dient heute religiösen Zwecken und ist nicht wie ein Museum zugänglich – planen Sie also eine Besichtigung von außen ein, dafür reichen 10–15 Minuten. Die Galerie des Bezirksmuseums gibt es hier nicht mehr. Verbinden Sie den Spaziergang mit der Burgruine nebenan, der Altstadt mit dem Rathaus und dem Galizischen Städtchen. An chassidischen Gedenk- und Feiertagen kann es voll werden; fotografieren Sie Betende bitte mit Taktgefühl.
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