Burgen
Nowy Sącz, Kleinpolen
Die Burg von Nowy Sącz überstand den Schwedeneinfall, Brände und ein Hochwasser — den Todesstoß erhielt sie erst 1945. Soldaten der Bauernbataillone, einer polnischen Widerstandsorganisation, sprengten damals ein deutsches Munitionslager in ihren Mauern, und die Explosion zerstörte das Baudenkmal fast vollständig. Von der königlichen Festung Kasimirs des Großen aus den Jahren 1350–1360 blieben Mauerreste und der wiederaufgebaute Schmiedeturm (Baszta Kowalska) — heute umgeben von einem Park über dem Zusammenfluss von Dunajec und Kamienica.
Die Burg entstand auf einem Steilhang in der Nordwestecke der Stadt und war in die Stadtmauer einbezogen. Ein Graben und vermutlich eine Mauer mit Tor trennten sie von der Stadt. Sie hatte zwei Ecktürme, einen Hauptturm, ein Wohngebäude und eine Vorburg; nach Westen und Norden schützten sie zwei Flüsse. Hier saßen der Kastellan, das Burggericht und der königliche Starost.
1370 machte Ludwig von Ungarn hier Station, auf dem Weg nach Krakau zur Krönung als polnischer König. Im Herbst 1384 war Hedwig von Anjou zu Gast, die wenige Wochen später, am 16. Oktober, in Krakau zum „König“ von Polen gekrönt wurde. Häufiger Gast war Władysław Jagiełło — im April 1410 beriet er sich hier mit dem litauischen Großfürsten Vytautas über den Krieg gegen den Deutschen Orden. 1611–1615 wurde die Burg für Sebastian und Stanisław Lubomirski nach Plänen von Maciej Trapola im Stil des Manierismus umgebaut; sie zählte damals rund 40 Räume.
Schäden aus der Schwedenzeit, Brände und die Wirtschaftskrise des 17. Jahrhunderts ließen die Burg verfallen. 1768 verursachten unvorsichtige Mitglieder der Konföderation von Bar, eines Adelsaufstands, einen weiteren Brand. Im August 1813 unterspülte ein großes Hochwasser den Hang, und der Westflügel rutschte in den Dunajec. Die Österreicher, die damals diesen Teil Polens regierten, nutzten die Reste als Kaserne, Lager und ab 1846 als Gefängnis. Ein Teilwiederaufbau 1905 und weitere Restaurierungen mündeten 1938 in die Eröffnung des Museums des Sądecer Landes in der Burg — nur wenige Jahre vor der endgültigen Katastrophe. In den 1950er-Jahren wurden der Schmiedeturm und ein Mauerstück mit Attiken restauriert.
Am Fuß des Schmiedeturms sprudelte einst eine schwefelhaltige Quelle, die nie zufror. Der Sage nach verschwanden junge Ritter, die dort Wache hielten, spurlos. Schließlich zog ein Mutiger mit geweihter Kreide einen Kreis um sich und wartete bis Mitternacht: Aus der Quelle stiegen Nymphen und luden ihn zum Tanz. Als er seinen Rosenkranz ins Wasser warf, verwandelten sie sich in Hexen und flogen davon. Die Quelle gibt es nicht mehr — angeblich wurde sie bei der Explosion 1945 verschüttet.
Die Ruinen liegen in einem öffentlichen Park, wenige Gehminuten von Marktplatz und Rathaus entfernt. Die Burg selbst ist ein kurzer Halt von 15–30 Minuten, verbinden Sie ihn mit einem Altstadtbummel. Das Gelände ist frei zugänglich. Das schönste Licht für Fotos des Turms gibt es am späten Nachmittag, und vom Rand des Parks blicken Sie ins Dunajec-Tal. Nach Regen können die Parkwege rutschig sein.
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