Berge & Gipfel
Sucha Beskidzka, Kleinpolen
Das Schloss in Sucha Beskidzka trägt den Beinamen „Kleiner Wawel“, weil sein Arkadenhof an das Königsschloss in Krakau erinnert. Die Renaissance-Residenz am Fuß des Berges Jasień wechselte über vier Jahrhunderte mehrmals die Besitzer und beherbergte im 19. Jahrhundert eine Bibliothek mit Zehntausenden Bänden. Heute befindet sich hier das Stadtmuseum, das auch vom berühmtesten Sohn der Stadt erzählt, dem Regisseur Billy Wilder.
Die Anfänge gehen auf Kasper Suski zurück, der hier wohl 1554–1580 ein befestigtes steinernes Herrenhaus errichtete; seine Mauern stecken heute im Südflügel. 1608 übernahm die Familie Komorowski den Besitz, und Piotr Komorowski baute das Schloss zur bis heute erhaltenen Dreiflügelanlage aus. Am längsten residierten hier die Wielopolski, von 1665 bis 1843. Anna Konstancja Wielopolska, Schlossherrin von 1693 bis 1726, ließ zwei Türme anbauen und die Innenräume modernisieren.
1843 kaufte Aleksander Branicki das Schloss, sein Sohn Władysław ließ es 1882–1887 von Tadeusz Stryjeński umfassend restaurieren. Nach einem Brand 1905 baute derselbe Architekt die Residenz wieder auf. Ab 1922 gehörte sie der Familie Tarnowski. Nach dem Zweiten Weltkrieg dienten die Räume als Gymnasium, Internat, Möbelfabrik und Lager, bis 1975 die Staatlichen Kunstsammlungen auf dem Wawel eine Restaurierung begannen, die bis 1991 dauerte. Seit 2016 gehören Schloss und Park der Stadt.
Das Schloss hat drei Flügel um einen nach Osten offenen Hof, vier vorspringende Türme und Arkadengänge an den höheren Flügeln. Im Inneren lohnen sich:
Im Süden schließt ein großer Landschaftspark aus dem 19. Jahrhundert an, mit Platanen, Roteichen und Steinbrücken über kleine Bäche. An seinem Rand steht das Gärtnerhaus mit der ethnografischen Abteilung des Museums.
Die Bibliothek der Familien Branicki und Tarnowski umfasste 1932 rund 55.000 Bände, darunter eine illuminierte Bibel aus dem 13. Jahrhundert und 22 Inkunabeln. Professoren der Universitäten Krakau und Lemberg arbeiteten mit ihr. Im Krieg wurde ein großer Teil der Bestände zerstört oder zerstreut, die Bibel gelangte auf den Wawel. Das Museum zeigt außerdem eine Ausstellung über das Kino in Sucha und über Billy Wilder, den Regisseur von „Manche mögen’s heiß“, der hier am 22. Juni 1906 geboren wurde.
Das Schloss liegt einige hundert Meter nördlich des Zentrums, nahe der Mündung der Stryszawka in die Skawa. Für Museum und Hof sollten Sie 1–1,5 Stunden einplanen, für einen Spaziergang im Park eine weitere halbe Stunde. Außerhalb der Saison ändern sich die Öffnungszeiten, prüfen Sie sie daher vorab auf der Website des Museums. Im Schloss gibt es auch ein Hotel mit Restaurant, und am Marktplatz lohnt ein Blick in das hölzerne Gasthaus „Rzym“ aus dem frühen 18. Jahrhundert, das mit der polnischen Sage von Pan Twardowski verbunden ist, einem Adligen, der seine Seele dem Teufel verkaufte.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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