Seen & Gewässer
Wadowice, Kleinpolen
An der Skawa, wenige Kilometer von Wadowice entfernt, steht eine Staumauer, deren Bau länger dauerte als so manches Berufsleben. Die ersten Pläne entstanden in den 1950er-Jahren, die Bauarbeiten begannen 1986, und richtig gefüllt war das Becken erst um 2020. So entstand der Jezioro Mucharskie (Mucharz-See) – bis 2018 unter dem Arbeitsnamen Stausee Świnna Poręba bekannt.
Der Bau zog sich durch die politische Wende, Finanzkrisen und immer neue Zeitpläne. Zwischen 1988 und 1992 wurde ein Abschnitt der Bahnstrecke Nr. 103 Wadowice–Skawce abgebaut, der durch das künftige Seebecken führte; laut Radio Kraków mussten rund 400 Haushalte umgesiedelt werden. Am 10. Oktober 2015 wurde die Staumauer offiziell eröffnet, obwohl das Becken noch nicht geflutet werden konnte – zuerst mussten Rutschhänge gesichert, neue Straßen gebaut und eine alte Brücke abgerissen werden. Die letzte Familie, die noch auf dem künftigen Seegrund wohnte, unterschrieb im September 2016 eine Vereinbarung über ihren Auszug. Das Wasserkraftwerk ging am 2. März 2019 in Betrieb, im Frühjahr 2020 begann die Füllung des Hauptbeckens.
Die wichtigste Aufgabe ist jedoch der Hochwasserschutz. Der Stausee soll Hochwasserwellen auf der Skawa und der Weichsel abflachen – bis hin zur Dębnicki-Brücke in Krakau. Seinen Nutzen bewies er schon vor der Fertigstellung: Beim Hochwasser im Mai 2010 fing das unfertige Becken bis zu 61 Mio. m³ Wasser auf.
Um den Namen gab es Streit. Vorgeschlagen wurde „Jezioro Wadowickie", doch die Gemeinden, auf deren Gebiet das Wasser liegt, widersprachen. Die Gemeinde Mucharz warb ab 2013 für den Namen Jezioro Mucharskie, der im Dezember 2018 offiziell angenommen wurde. Eine weitere Besonderheit liegt unterhalb der Staumauer: Die staatliche Wasserbehörde Wody Polskie errichtete hier eine Fischzuchtanlage – die größte ihrer Art in Südpolen –, die seit 2018 unter anderem junge Barben aufzieht, um den Verlust natürlicher Laichplätze auszugleichen.
Den schönsten Blick auf den ganzen See mit den bewaldeten Hängen der Kleinen Beskiden haben Sie von der Landesstraße 28 bei Jaszczurowa, die Staumauer selbst sieht man gut von Świnna Poręba aus. Die Behörden kündigten Uferpromenaden und Radwege an – ein guter Ort für einen kurzen Spaziergang oder eine Radtour; beim Dorf Mucharz gibt es einen Strand. Bedenken Sie, dass es sich vor allem um ein Hochwasserrückhaltebecken handelt und der Wasserstand deutlich schwanken kann. Für den Aussichtspunkt genügen 30 Minuten, für einen Uferspaziergang 1–2 Stunden. Der Ausflug lässt sich gut mit Wadowice verbinden.
Eintritt frei
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