Burgen
Gniew, Pommern
Das Backsteinviereck über der Mündung der Ferse (Wierzyca) in die Weichsel ist eine der mächtigsten Burgen, die der Deutsche Orden am linken Flussufer errichtete. Die Burg Mewe (Zamek w Gniewie) wurde ab 1290 rund 40 Jahre lang gebaut, und im 17. Jahrhundert war Jan Sobieski, der spätere König, hier Starost. Heute ist sie ein Hotel mit Suiten in den Burgräumen, eine Führungsroute und Schauplatz einer der größten Schlachtinszenierungen Polens.
Der Orden begann nach 1290 mit einer viereckigen Ringmauer. Fertiggestellt war die Burg neben Schlochau (Człuchów) und Danzig die stärkste Ordensfestung am linken Weichselufer und Sitz des Komturs von Mewe. Vier Flügel umschlossen einen quadratischen Hof mit rund 47 m Seitenlänge; drei Ecken erhielten schlanke Türmchen, die vierte einen mächtigen Hauptturm. 1410, nach Tannenberg, nahmen polnische Ritter die Burg ein, doch sie fiel an den Orden zurück. Im Dreizehnjährigen Krieg belagerte sie das Heer Piotr Dunins, und nach der Niederlage des Entsatzheeres auf dem Frischen Haff kapitulierte die Besatzung am 1. Januar 1464.
Mit dem Zweiten Thorner Frieden (1466) kam Mewe an Polen, und die Burg wurde Sitz der königlichen Starosten. 1623 weilte Sigismund III. Wasa hier, 1625–1627 hielten die Schweden die Burg besetzt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war Jan Sobieski Starost; in der Vorburg ließ er für seine Frau Marie Casimire ein Barockpalais errichten. Nach der Ersten Teilung (1772) machten die Preußen die Burg zum Speicher und bauten sie 1855–1859 um: Der Hauptturm wurde abgetragen, die Gräben verfüllt und der Dansker abgerissen.
1921 zerstörte ein Großbrand die Burg, nach 1939 richteten die deutschen Besatzungsbehörden hier ein Gefängnis für Polen ein. Der Wiederaufbau begann 1968–1974 mit Mitteln des Schiffsmaschinenwerks FAMA. Ab 1991 belebte Jarosław Struczyński mit dem örtlichen Kulturzentrum und Freiwilligen die Ruine neu: Es entstanden Ritterbruderschaften, Turniere und Festivals, und der französische Verband Les Compagnons du Tour de France bildete in Mewe Handwerker aus. Seit 2010 gehört die Burg dem Unternehmen Polmlek.
Die Burg bietet heute 17 Suiten in den alten Räumen; zusammen mit dem Ritterhotel (48 Zimmer) und dem Marysieńka-Palais (120 Betten) bildet sie einen Vier-Sterne-Komplex. 2013 entstand neben der Burg zur Weichsel hin ein Hubschrauberlandeplatz.
Für Burgführung und einen Spaziergang durch Vorburg und Altstadt sollten Sie 1,5–2 Stunden einplanen. Führungszeiten und Eintrittspreise stehen nicht auf der Startseite der Burg; prüfen Sie sie im Bereich „Zwiedzanie zamku“ oder telefonisch vor der Anreise. Im August, während der Schlachtinszenierung, ist Gniew sehr voll — Unterkünfte sollten Sie früh buchen. Die Burg liegt in der ul. Zamkowa 3, wenige Gehminuten vom Marktplatz.
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