Natur
Siedlec, Schlesien
Das Naturreservat Ostrężnik umfasst nur 4,1 ha, birgt aber einen Kalkfelsen, durchlöchert wie Schweizer Käse, die Ruinen einer rätselhaften Burg aus dem 14. Jahrhundert und eine Quelle, die sprudelt, wann sie will. Es wurde 1960 eingerichtet, um ein Stück naturnahen Buchenwalds rund um die Ruinen zu schützen. Es liegt an der Straße von Janów nach Żarki, im Landschaftspark der Adlerhorste und im Natura-2000-Gebiet „Ostoja Złotopotocka“.
Über die Burg auf dem Ostrężnik-Felsen schweigen die Chroniken fast völlig. Die Überlieferung schrieb den Bau Herzog Władysław von Oppeln zu, archäologische Untersuchungen 2000–2003 deuten jedoch eher auf den Beginn des 14. Jahrhunderts und den Krakauer Bischof Jan Muskata. Da spätere Schichten fehlen, wurde die Burg vielleicht nie vollendet oder nur sehr kurz genutzt. Die Mauern der Oberburg waren rund 144 m lang und etwa 2 m dick, im Süden stand ein vorspringender viereckiger Turm. Heute sind nur Mauer- und Wallreste unter einem Meter Höhe erhalten, versteckt im Buchenwald.
Im Felsen unter den Ruinen verläuft die Jaskinia Ostrężnicka – ein Gefüge aus Kammern und Gängen von insgesamt rund 98 m Länge mit sechs Öffnungen. Das gleichmäßig ausgewaschene Hauptportal ist etwa 5 m hoch und 3 m breit. Die Höhle ist Teil einer einstigen Karstquelle, Kolke in der Decke zeigen, dass hier Wasser unter Druck floss. Die Kammern dienten wohl als Burgkeller; eine Tür, die in die Verliese geführt haben soll, ist heute in der Kirche von Złoty Potok zu sehen. Am Fuß des Felsens entspringt eine periodische Karstquelle, die Źródła Zdarzeń („Quellen der Ereignisse“) – sie erscheint und versiegt unregelmäßig, früher glaubte man, sie kündige wichtige Ereignisse an.
Der Sage nach hausten auf der Burg Raubritter, deren Schätze in der Höhle verschüttet wurden. Eine andere Geschichte erzählt, dass Aufständische des Januaraufstands gegen die russische Herrschaft nach dem Gefecht bei Śmiertny Dąb am 9. Juli 1863 hier Dokumente und Kasse ihrer Einheit versteckten. Schatzsucher gruben die Höhle mehrfach um, und im Zweiten Weltkrieg boten die Höhlen der Umgebung Partisanen Unterschlupf.
An der Woiwodschaftsstraße 793, bei den ersten Häusern der Siedlung Ostrężnik, gibt es einen kleinen Platz mit Infotafeln – von dort führt ein kurzer Waldweg zum Felsen. Durch das Reservat verlaufen der rote Adlerhorst-Weg und der blaue Weg der Jura-Burgen sowie der Naturlehrpfad „Tropem tajemnic“ (Auf der Spur der Geheimnisse, 1,5 km). Der Eintritt ist frei. Für Ruinen, Höhle von außen und Quelle planen Sie etwa eine Stunde ein; die Höhle selbst betreten Sie nur mit Lampe und festem Schuhwerk. Der Ausflug lässt sich gut bis Złoty Potok und seinen Reservaten verlängern.
Eintritt frei
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