Kirchen & Klöster
Wolbrom, Kleinpolen
Die Barockkirche in der Nordostecke des Marktplatzes von Wolbrom hat rund 1,5 m dicke Mauern und diente jahrhundertelang zugleich als kleine Festung. Ihre Geschichte reicht bis 1346 zurück, ihre heutige Gestalt erhielt sie im 17. Jahrhundert durch die Lateranensischen Chorherren aus dem Krakauer Stadtteil Kazimierz. Innen erwartet Sie eine ungewöhnliche Farbgebung: Altäre in Schwarz und Gold statt des üblichen barocken Weiß.
Die erste, hölzerne Kirche erscheint im Peterspfennig-Register von 1346 als „Ecclesia de Wolwrami civitate“, die Pfarrei entstand wohl kurz nach der Stadtgründung 1327. 1460 baute der Orgelbauer Szymon aus Krakau hier eine Orgel, damals die einzige in der Gegend. Um 1500 ersetzte ein Steinbau die Holzkirche.
Die Wende brachte die Stiftung des Priesters Marcin Wolbram, eines Nachfahren des Stadtgründers, die König Sigismund III. Wasa 1628 bestätigte. Die herbeigerufenen Lateranensischen Chorherren bauten die Kirche ab 1638 um und errichteten ein Stift, das über einen Gang im Obergeschoss mit dem Oratorium verbunden war. Bischof Stanisław Szembek weihte die Kirche am 27. September 1692. 1710 tagte hier das Generalkapitel des Ordens, eines der ganz wenigen außerhalb Krakaus. Nach dem Januaraufstand lösten die zaristischen Behörden das Stift 1864 auf, das Gebäude wurde zum Pfarrhaus.
Über dem Eingang ragen drei Metallteile aus der Wand; laut Pfarrchronik sind es vermutlich Artilleriegeschosse aus dem Ersten Weltkrieg, die im dicken Mauerwerk stecken blieben. 1936–1937 kamen das südliche Seitenschiff und die Kapelle der Versöhnung hinzu. Im April 1950 wurden Pfarrer Piotr Oborski und sein Vikar verhaftet und von einem kommunistischen Gericht verurteilt; Pfarrer Oborski starb 1952 im Gefängnis.
Die Kirche ist eine aktive Pfarrkirche, besuchen Sie sie also vor oder nach der Messe und verhalten Sie sich ruhig. Für den Innenraum genügt eine halbe Stunde. Ganz in der Nähe, an der Ecke Mariacka und Kościuszki, steht die Lärchenholzkirche der Unbefleckten Empfängnis von 1638; zusammen ergeben sie einen kurzen Rundgang durch Wolbrom und einen guten Halt auf dem Weg in den Krakau-Tschenstochauer Jura.
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