Burgen
Bydlin, Kleinpolen
Die Ruine auf einem bewaldeten Hügel in Bydlin hat die Forscher lange gespalten: Die einen hielten sie für eine Burg, die anderen von Anfang an für eine Kirche. Entschieden wurde die Frage erst durch Grabungen im Jahr 1989, bei denen die Fundamente eines Torturms und ein Denar Ludwigs von Ungarn von etwa 1370 zum Vorschein kamen. Die Wehranlage aus dem 14. Jahrhundert war zunächst ein ritterlicher Wehrturm, dann eine Kirche und 1914 eine Stellung der Polnischen Legionen.
Die Wehranlage entstand Ende des 14. Jahrhunderts auf einem hohen Felshügel. Ihr Bau wird meist dem Ritter Niemierza von Gołcza (Wappen Strzała) zugeschrieben. Rund zweihundert Jahre lang diente sie der Verteidigung und hatte bis zum 16. Jahrhundert rund zwanzig Besitzer. Im 16. Jahrhundert übernahmen die Boner und nach ihnen die Firlej das Gut und bauten die Mauern zu einer Kirche um.
Um 1570 machte Jan Firlej die Kirche kurzzeitig zu einem Bethaus der Polnischen Brüder (Arianer), 1594 gab sein Sohn Mikołaj sie den Katholiken zurück und weihte sie dem Heiligen Kreuz — daher der Name des Hügels. 1655 zerstörten schwedische Truppen unter General Müller auf dem Marsch nach Tschenstochau die Kirche. Von den Męciński wiederaufgebaut, wurde sie Ende des 18. Jahrhunderts aufgegeben und verfiel. Im 19. Jahrhundert diente ihr Stein u. a. zum Bau der Kapelle auf dem Friedhof am Fuß des Hügels.
Erhalten sind die Mauern eines rechteckigen Baus von 24 × 11 Metern mit Eckstreben. Die Wände sind im Schnitt über 2 Meter dick und rund 7 Meter hoch. Zu erkennen sind Spuren vermauerter Schießscharten und ringsum Reste eines Grabens. An den Hängen sehen Sie die Umrisse der Schützen- und Verbindungsgräben, die Legionäre im Herbst 1914 aushoben.
Am 17. und 18. November 1914 kämpften hier rund 1.400 Soldaten der I. Brigade von Piłsudskis Polnischen Legionen gemeinsam mit österreichisch-ungarischen Einheiten in der Schlacht bei Krzywopłoty gegen die russische Armee. 46 Legionäre fielen, Piłsudski nannte die Schlacht die „Thermopylen der Legionen“. Die Gefallenen ruhen in einem Gräberfeld auf dem Pfarrfriedhof am Osthang des Hügels, darunter Stanisław Paderewski, Halbbruder des Pianisten Ignacy Jan Paderewski. 2009 stürzte die Südwand des Wohngebäudes ein, 2012 folgten Sicherungsarbeiten.
Die Ruine liegt am Adlerhorst-Weg (Szlak Orlich Gniazd) für Wanderer und Radfahrer, der Zugang ist kostenlos. Für den Aufstieg und einen Rundgang um die Mauern genügt etwa eine Stunde. Das Gelände ist bewaldet und uneben — nach Regen sind Schuhe mit gutem Profil hilfreich. Gehen Sie auch zum Pfarrfriedhof hinunter, zum Gräberfeld der Legionäre — der bewegendste Teil eines Besuchs in Bydlin.
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