Kirchen & Klöster
Tworków, Schlesien
Im September 1993 stießen Handwerker bei der Renovierung der Barockkirche in Tworków unter den Bänken im südlichen Teil des Schiffs auf einen zugemauerten Zugang zu einer Gruft. Darin lagen unter Sand und Schutt 11 bemalte Metallsarkophage der Familie Reiswitz aus dem 17. Jahrhundert – neun davon für Kinder. Heute stehen sie in einer Seitenkapelle, und die in den Särgen gefundenen Kleider gehören zu den ganz wenigen in Polen erhaltenen Kinderkleidungsstücken aus der Zeit vor dem Ende des 17. Jahrhunderts.
Die Pfarrei Tworków ist seit 1339 belegt. Am 2. Mai 1676 vernichtete ein Brand Kirche, Pfarrhaus und einen Teil des Dorfes; jahrelang feierte man die Gottesdienste in einer provisorischen Holzkirche. Der Bau der heutigen Kirche begann am 6. April 1691; bis 1692 leitete ihn Meister Graffenrenter, vollendet wurde er 1694 von Johann Zeller aus Troppau. 1697 weihte sie der Breslauer Weihbischof Johann Brunetti. Die Gemeinde Krzyżanowice bezeichnet sie als eines der wertvollsten Barockbauwerke des Ratiborer Landes. 1945 wurden Turm und Dach zerstört und 1946–1948 wiederhergestellt, wobei man einen Großteil der illusionistischen Ausmalung von 1749 übertünchte.
1651 kaufte Eva geb. Wilczek, Witwe Wilhelm Boreks und inzwischen Ehefrau von Wenzel von Reiswitz, das Gut Tworków. Sie starb 1655, er 1669 – und wurde, wie im Testament verfügt, in der Gruft beigesetzt. Sein Sarg aus Zinn und Blei ist nur in Bruchstücken erhalten, Evas Sarkophag dagegen trägt Vergoldungen. Laut der Gemeinde brauchte die Familie Reiswitz die Erlaubnis der Kaiser Ferdinand III. und Leopold I., um in einer katholischen Kirche bestattet zu werden. 1839, nach dem Tod der Komtesse Philippine Cappy, wurde die Gruft zugemauert und geriet für über 150 Jahre in Vergessenheit. Nach der Entdeckung kamen die Sarkophage 1994 in das Denkmalregister und wurden 1996–1998 restauriert. In den Särgen fand man unter anderem einen Kinder-Kontusz mit Gürtel, ein Säuglingshemd, ein Kinderkleid, kleine Kränze und Reste einer Puppe.
Die Kirche steht auf einer Anhöhe in der Dorfmitte, ul. Główna 19. Da es eine aktive Pfarrkirche ist, fragen Sie für die Sarkophag-Ausstellung am besten im Pfarramt nach oder kommen Sie kurz vor oder nach einem Gottesdienst. Für Kirche und Kirchhof genügen 30–45 Minuten. Im selben Dorf liegt die Ruine des Reiswitz-Schlosses, 1872 im Stil der Neorenaissance umgebaut und im Zweiten Weltkrieg zerstört – zusammen ein guter Halbtagesplan nahe der tschechischen Grenze.
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