Museen
Ratibor, Schlesien
Vor ihrer Geburt befragten ihre Eltern das Orakel der Göttin Amaunet nach dem Schicksal des Kindes und erhielten die Antwort: „Sie wird leben.“ Genau das bedeutet der Name Djed-Amaunet-ius-anch – eine Ägypterin, die vor rund 2800 Jahren mit 19 oder 20 Jahren starb und heute in einer ehemaligen gotischen Dominikanerinnenkirche in Racibórz (Ratibor) in Oberschlesien ruht. Ihre Mumie ist das berühmteste Exponat des Museums Racibórz, das rund 30.000 archäologische, historische, ethnografische und künstlerische Objekte besitzt.
Die Anfänge reichen bis etwa 1819 zurück, als das Königliche Evangelische Gymnasium in Ratibor begann, Lehrmittel zu sammeln. Die Stadt stellte dafür ein leerstehendes Kirchengebäude in der ul. Gimnazjalna 1 zur Verfügung – die ehemalige Heilig-Geist-Kirche der Dominikanerinnen, ungenutzt seit 1811 –, und am 4. Dezember 1927 wurde das Museum offiziell eröffnet. Bei Arbeiten 1936–1938 entdeckte man in der Kirche Wandmalereien aus dem 17. Jahrhundert, darunter die Herabkunft des Heiligen Geistes und eine Anbetung der seligen Euphemia, einer Ratiborer Prinzessin und Dominikanerin des 14. Jahrhunderts. 1945 wurde der Großteil der Sammlung zerstört oder verstreut, nur etwa 900 Objekte blieben erhalten; 1948 öffnete das Museum wieder. Die Renovierung 1976–1983 gab dem Chor sein gotisches Aussehen zurück.
Die Mumie kaufte Mitte des 19. Jahrhunderts in Ägypten Baron Anselm von Rothschild, der Güter bei Ratibor besaß; ausgewickelt wurde sie in seinem Schloss in Szylerzowice, und im Schuljahr 1860/61 schenkte der Baron sie dem Gymnasium. Oft heißt es, sie sei ein Hochzeitsgeschenk gewesen, das seine Braut ablehnte – wie viel Wahres daran ist, weiß man nicht. Röntgenuntersuchungen von 2002 deuten darauf hin, dass die Frau höchstwahrscheinlich an Komplikationen bei einer Geburt starb. Seit 1983 sind Mumie, Kartonage und zwei Särge in der Ausstellung „Im Haus des Osiris“ zu sehen, die einer ägyptischen Grabkammer nachempfunden ist. Die daneben gezeigten Kanopen sind Beispielstücke und gehörten nicht zu ihrer Bestattung.
Die Ausstellungen in der ul. Gimnazjalna 1 und der ul. Chopina 12 sind dienstags bis freitags von 8:00 bis 16:00 Uhr, samstags von 10:00 bis 18:00 Uhr und sonntags von 11:00 bis 15:00 Uhr geöffnet, montags geschlossen. Der Normaltarif beträgt 15 PLN, ermäßigt 10 PLN, Familienkarte 30 PLN; es gibt auch ein Kombiticket mit dem Wissenschaftszentrum SOWA. Sonntags ist der Eintritt frei.
Beginnen Sie in der ehemaligen Kirche mit der Mumie und den wiederentdeckten Fresken und gehen Sie dann ins Gebäude in der ul. Chopina. Für beide Häuser sollten Sie etwa 2 Stunden einplanen. Wer eine Führung auf Englisch oder Tschechisch wünscht, bucht den Guide am besten im Voraus.
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