Märkte & Altstädte
Ratibor, Schlesien
Der Marktplatz in Ratibor (Racibórz) ist das Zentrum einer der ältesten Städte Oberschlesiens und der beste Ausgangspunkt für einen Rundgang durch die einstige Residenzstadt der Herzöge von Ratibor. Zwar brannte die Bebauung 1945 fast vollständig nieder, doch das Wertvollste blieb: die spätbarocke Mariensäule und die gotische Jakobskirche. Wer Sehenswürdigkeiten zwischen Oppeln, Gleiwitz und der tschechischen Grenze sucht, findet hier ein kompaktes Stück schlesischer Geschichte.
Die Lokationsstadt entstand vor 1217 am linken Oderufer, gegenüber der Burg; der Markt war von Anfang an Mittelpunkt des schachbrettartigen Straßennetzes. Im Mittelalter stand in der Platzmitte eine Bebauung mit Tuchhallen (1293), Kaufhaus (1313) und Rathaus (1361). Der große Brand vom 8. Oktober 1488 zerstörte Rathaus und Krambuden, nach einem weiteren Feuer 1722 wurde die Platzmitte freigeräumt.
Ratibor gehörte bis 1945 zu Preußen bzw. Deutschland. 1846 gab Franz Liszt hier in einem Bürgerhaus ein Klavierkonzert, im selben Jahr übernachtete König Friedrich Wilhelm IV. im Haus der Familie von Gaschin. 1945 wurde der Markt schwer zerstört: Das klassizistische Rathaus brannte aus, nur ein einziges Gebäude (Rynek 3) überstand die Kämpfe. Ziegel aus den Trümmern wurden sogar per Bahn abtransportiert, unter anderem für den Wiederaufbau Warschaus. Die heutigen Platzwände sind Nachkriegsbauten in vereinfachten Renaissanceformen.
In der Mitte steht die Mariensäule von 1725–1727 aus Sandstein, geschaffen vom österreichischen Bildhauer Johann Melchior Österreich. Gestiftet wurde sie auf Wunsch von Maria Elisabeth von Gaschin als Dank für die Verschonung der Stadt von der Pest 1715. Oben steht die Immaculata mit Zwölfsternekranz, an den Ecken des Sockels die Heiligen Florian (gegen Feuer), Sebastian (gegen Seuchen) und Marcellus, Papst und Stadtpatron von Ratibor. 2021 wurde die Säule gereinigt und neu vergoldet.
Für Markt, Säule und einen Blick in die Jakobskirche reichen 30–45 Minuten, mit Schloss und Pfarrkirche lohnt sich ein halber Tag. Der Platz ist Fußgängerzone mit Kopfsteinpflaster, Bänken und saisonalen Cafégärten – auch mit Kindern und Kinderwagen gut machbar. Es gibt Audioguides zur Altstadt, auch in einer Kinderversion.
Der Markt ist rund um die Uhr frei zugänglich, Eintritt wird nicht erhoben (Stand: Oktober 2026). Ratibor liegt im Süden der Woiwodschaft Schlesien, etwa 80 km von Kattowitz (Katowice) entfernt; aus Deutschland kommst du am bequemsten über die A4 bis Gleiwitz (Gliwice) und weiter Richtung Süden. Vom Bahnhof gehst du zu Fuß ins Zentrum, mit dem Auto parkst du am besten in der Innenstadt, denn der Platz selbst ist autofrei. Eine Touristeninformation gibt es im Schloss (ul. Zamkowa 2); prüfe vorab die aktuellen Öffnungszeiten.
Lohnt sich der Abstecher? Für Schlesien-Reisende auf jeden Fall – besonders in Kombination mit Lubowitz (Łubowice), dem Geburtsort Joseph von Eichendorffs, etwa 9 km nördlich.
Eintritt frei
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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Geprüft: Oktober 2026