Technikdenkmäler
Ratibor, Schlesien
Im Nordflügel des Piastenschlosses in Racibórz (Ratibor) wird seit mehr als 160 Jahren Bier gebraut – und die Tradition einer herzoglichen Brauerei am Schloss reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die Schlossbrauerei (Browar Zamkowy) gehört zu den ältesten noch arbeitenden Brauereien Polens und bietet die seltene Gelegenheit, Bierherstellung in einem Gebäude zu erleben, das auf den Trümmern eines Schlossflügels entstand. Vergoren wird hier bis heute in offenen Bottichen, wie vor Jahrhunderten.
Das Brauwesen in Racibórz ist so alt wie die Stadt nach deutschem Recht: Die erste schriftliche Erwähnung stammt von 1293, ein Jahr später verlieh Herzog Przemysł der Stadt das Meilenrecht – das Monopol auf Brauen und Ausschank im Umkreis einer Meile um die Mauern. Eine herzogliche Brauerei am Schloss taucht im 16. Jahrhundert in den Quellen auf; als früheste Erwähnungen gelten 1532 und 1567. Schon 1564 brachte das in den herzoglichen Schenken ausgeschenkte Weizen- und Gerstenbier 1200 Taler ein, und in den Schlosskellern gab es zwei gewölbte Bierlager.
Die Wende kam am 19. Januar 1858: Feuer unter der Braupfanne vernichtete die Brauerei und griff auf das Schloss über. Der Wiederaufbau ging schnell – Grundsteinlegung am 10. Juni, und am 8. Oktober 1859 nahm die neue Brauerei anstelle des Nord- und eines Teils des Westflügels den Betrieb auf, ausgestattet mit einer modernen Dampfmaschine. Nach der Modernisierung 1896–1897 arbeiteten hier 55 Leute unter Braumeister Kaufmann, und man begann, Bier nach Pilsner Art zu brauen.
Zum Ruf des Bieres trugen mehrere Dinge bei: Gerste von den herzoglichen Gütern, Hopfen aus der Hallertau oder aus Saaz und vor allem Quellwasser aus Obora, das über eine 6 km lange Holzleitung herangeführt wurde. Die Nachgärung dauerte ganze drei Monate in Eichenfässern in den kühlen Kellern – andere oberschlesische Brauereien hatten das längst aufgegeben. Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Racibórz noch 9 Brauereien, vor dem Zweiten Weltkrieg braute nur noch die Schlossbrauerei.
Nach dem Krieg wurde am 15. Juni 1945 wieder gebraut; danach gehörte der Betrieb verschiedenen staatlichen Kombinaten. 1999, nach der Insolvenz der Browary Górnośląskie, wurde er geschlossen. 2003 kaufte ihn der Unternehmer Jerzy Łazarczyk, ließ ihn renovieren, installierte Anlagen aus einer aufgelösten Brauerei in Tymbark und nahm die Produktion wieder auf. Nach einer Pause 2009 ging die Brauerei 2010 als Browar Zamkowy wieder an den Start.
Brauereiführungen finden zu festen Terminen nach vorheriger Reservierung über die offizielle Website statt – prüfen Sie Termine, Gruppengrößen und Preise vor der Anreise, denn es ist ein laufender Produktionsbetrieb. Planen Sie einen halben Tag für den ganzen Komplex ein: Brauerei, Piastenschloss und die gotische Thomas-Becket-Kapelle von 1288–1293, die als Perle der schlesischen Gotik gilt. Die Brauerei liegt an der ul. Zamkowa 1 im Schlosskomplex im Stadtteil Ostróg an der Oder.
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