Burgen
Tworków, Schlesien
Im Januar 1931 soll der Feuerschein über Tworków (Tworkau) noch in 60 Kilometern Entfernung zu sehen gewesen sein – das Schloss der Familie von Saurma-Jeltsch brannte. Von Anfang an vermutete man Brandstiftung zum Versicherungsbetrug, und die Versicherung verweigerte die Zahlung. Heute bilden der Arkadenhof und der neugotische Turm eine der malerischsten Ruinen Oberschlesiens, und den Turm können Sie als Aussichtspunkt besteigen.
An dieser Stelle soll im Mittelalter eine gotische Burg gestanden haben. 1557 kaufte der Landrichter Kaspar Wiskota von Wodnik das Gut und begann 1567 mit dem Bau seines Stammsitzes – das Datum ist an einem Detail des Turms zu sehen. Möglicherweise wurde ein älterer Bau umgestaltet, denn im Keller ist gotisches Mauerwerk erhalten. Danach wechselte das Schloss oft den Besitzer: Die Lichnowsky bauten es 1621–1637 aus, im Dreißigjährigen Krieg diente es als Militärquartier. 1772 erwarb die Familie Eichendorff Tworków und legte einen Landschaftspark im englischen Stil an.
Ab 1841 gehörte das Schloss der Familie von Saurma-Jeltsch. 1872–1874 ließ sie es unter Leitung von Carl Heydenreich im Stil der Neorenaissance umbauen: Am Ostflügel entstand ein viereckiger Turm, der Westturm erhielt neugotischen Schmuck, und den Hof umgaben fortan Arkaden.
Nach dem Brand von 1931 wurde das Schloss nie wieder aufgebaut, nur notdürftig überdacht. Der Prozess gegen die Versicherung endete mit 100.000 Mark statt der geforderten halben Million. 1945 brannte das Gebäude erneut, 1957 wurde sogar der Abriss genehmigt – zum Glück kam es nie dazu. Seit 2004 gehört die Ruine der Gemeinde Krzyżanowice. Ein polnisch-tschechisches Projekt mit der Nachbargemeinde Šilheřovice (rund 715.000 Euro im Jahr 2016) finanzierte die Sicherung der Mauern, die Sanierung der ehemaligen Wagenremise und die Öffnung des Turms als Aussichtsturm; Besucher kommen seit Mitte 2020.
1839 nahm neben dem Schloss eine Brauerei den Betrieb auf, die Bier „nach bayerischer Art“ braute – die erste ihrer Art in Oberschlesien. An Wochenenden fuhren von Frühjahr bis Herbst Sonderzüge aus Racibórz (Ratibor) zum Biergarten. Wenige Schritte von der Ruine steht eine Barockkirche, die 1691–1694 von Jan Zeller aus Opava (Troppau) erbaut wurde; in ihrer Gruft sind 11 verzierte Särge und Sarkophage der Familien Reiswitz und Wilczek ausgestellt – eine in Europa seltene Präsentation.
Der Eintritt zur Ruine und zum Turm ist frei; der Turm gehört zum grenzüberschreitenden Netz von Aussichtstürmen und -plattformen Silesianka. Die Öffnungszeiten können saisonal schwanken, informieren Sie sich daher vorab bei der Gemeinde Krzyżanowice. Planen Sie etwa eine Stunde für Ruine, Turm und Park ein, dazu eine halbe Stunde für Kirche und Gruft. Abends werden die Mauern angestrahlt – im Sommer lohnt es sich, bis zur Dämmerung zu bleiben.
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