Kirchen & Klöster
Jelenia Góra (Hirschberg), Niederschlesien
Am Sonntag, dem 1. August 1745, um 14 Uhr schlug ein Blitz in den Turm der Hirschberger Gnadenkirche ein. Über eine Metallstange, die den Schalldeckel der Kanzel trug, erreichte er den Prediger – Pastor Gottlob Adolph starb mitten in der Predigt. Ein Epitaph erinnert noch heute an der Südwand an seinen Tod, und die Kirche selbst ist mit ihrer bis zu 57 Meter hohen Kuppel die größte der sechs schlesischen Gnadenkirchen.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg hatten die katholischen Habsburger den schlesischen Protestanten Hunderte Kirchen genommen. Die Wende brachte die Altranstädter Konvention vom 1. September 1707 zwischen König Karl XII. von Schweden und Kaiser Joseph I. Die Protestanten erhielten Kirchen zurück und durften sechs neue bauen – in Teschen (Cieszyn), Hirschberg, Landeshut (Kamienna Góra), Freystadt (Kożuchów), Militsch (Milicz) und Sagan (Żagań). Man nannte sie Gnadenkirchen.
Die Hirschberger Lutheraner beauftragten Martin Frantz. Am 21. März 1709 legte der Architekt seine Pläne samt Holzmodell vor, das heute im Riesengebirgsmuseum erhalten ist. Die Auftraggeber wünschten eine Verbindung der schlesischen Friedenskirchen in Jauer und Schweidnitz mit der Monumentalität der Katharinenkirche in Stockholm – ein Vorbild, das wohl Frantz selbst vorschlug, der seine Gesellenwanderung in der schwedischen Hauptstadt begonnen hatte. Gebaut wurde 1709–1718.
Bis 1945 war sie die lutherische Kirche „Zum Kreuz Christi". Nach dem Krieg und der Vertreibung der deutschen Bevölkerung übernahm sie die katholische Kirche; heute ist sie die Garnisonkirche zur Kreuzerhöhung.
Um die Orgel stritt man zwei Jahre: Stifter Christian Mentzel (1727) wollte sie dort, wo sie heute steht, Pastor und Gemeinde bevorzugten die Westwand. Der Stifter setzte sich durch. Am 16. November 1806 brannten Dach, Türme und Kuppel ab; die Wiederherstellung dauerte bis 1811. Pastor Adolph war Dichter und Mitherausgeber des Hirschberger Gesangbuchs – mit ihm starb eine Dienstmagd vom Land, mehrere Menschen wurden verletzt.
Um die Kirche liegt der ehemalige Friedhof, heute ein Park, mit 19 Gruftkapellen wohlhabender Kaufmannsfamilien aus den Jahren 1717–1770, der Blütezeit des Leinenhandels. Einige werden Frantz selbst zugeschrieben, etwa die Kapelle der Familie Glafey von 1716 und die der Familie Baumgarten von 1719.
Die Kirche steht in der ul. 1 Maja, östlich der Altstadt. Für Innenraum, Epitaph und einen Gang zwischen den Kapellen planen Sie etwa eine Stunde ein. Da die Kirche genutzt wird, besuchen Sie sie außerhalb der Gottesdienste. Gehen Sie vor dem Eintreten einmal um die Südseite – das Blitz-Epitaph übersieht man leicht, und ohne es verliert die Geschichte der Kanzel die Hälfte ihrer Wirkung.
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