Paläste
Bobrów, Niederschlesien
Von Weitem wirkt es wie ein Loire-Schloss: ein Backsteinbau mit einem der höchsten Türme im Hirschberger Tal erhebt sich über einer Biegung des Bobers. Aus der Nähe sieht man Mauern, die jahrzehntelang ohne Dach verfielen — 1972 wurden die Dachziegel geplündert, was den Niedergang beschleunigte. Schloss Boberstein (Pałac w Bobrowie) ist eine der romantischsten und vom Schicksal am stärksten gezeichneten Residenzen im Tal der Schlösser und Gärten.
Der erste Massivbau entstand hier um 1450 an einem Übergang über den Bober; Historiker sind unsicher, ob es eine Burg oder ein Wachturm war. Im 15. Jahrhundert gehörte das Gut den Schaffgotsch, ab 1598 wird Nickel von Zedlitz als Besitzer genannt, der hier ein steinernes Herrenhaus errichtete. Im Dreißigjährigen Krieg schwer beschädigt, blieb es bis 1669 bei den Zedlitz und wechselte danach häufig den Besitzer — darunter die Jesuiten aus Hirschberg. Ende des 19. Jahrhunderts erwarb die Berliner Familie von Decker, Inhaber der Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei, Boberstein; 1894 ließ Hans Rudolf von Decker das Haus im Stil der Neorenaissance umbauen, nach einem Entwurf, der dem Architekten Paul Roetger zugeschrieben wird. Er starb nur zwei Jahre später.
1933 übernahm der Staat das Schloss, ein Jahr später richteten die Nationalsozialisten hier eine SA-Sportschule ein. Ab September 1939 waren im Gebäude rund 300 polnische Zivilgefangene untergebracht, danach Umsiedler aus der Bukowina und bis Kriegsende deportierte Luxemburger. Nach 1945 war hier die Rote Armee einquartiert, später lebten politische Flüchtlinge aus Griechenland im Schloss, danach dienten die Gebäude als Erziehungsheim, Ferienlager und Sitz einer landwirtschaftlichen Genossenschaft. Ab 1970 stand das Schloss leer und verfiel.
Das Schloss ist in Privatbesitz und nicht zu besichtigen; 1994 erwarb ein deutsch-polnischer Verein das Anwesen und richtete in den Hofgebäuden ein Kinderferienheim ein, am Hauptgebäude wurde seither abschnittsweise gebaut. Am besten betrachten Sie das Schloss durch das Löwentor und von den Straßen am Bober aus — für einen solchen Halt genügen 15–30 Minuten. Bobrów gehört zur Gemeinde Mysłakowice und lässt sich gut mit weiteren Schlössern im Tal der Schlösser und Gärten verbinden.
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