Festungen
Swinemünde, Westpommern
Der deutsche Name des Forts – Engelsburg – ist kein Zufall. Der runde, gestufte Backsteinturm erinnerte die Erbauer an die Engelsburg in Rom, die päpstliche Festung am Tiber. Das Fort entstand Mitte des 19. Jahrhunderts als Artillerie- und Beobachtungsposten der preußischen Festung Swinemünde, und nach 1945 beobachtete hier die sowjetische Marine fast ein halbes Jahrhundert lang den Luftraum. Heute ist es ein privates Museum mit Café, Wikingersaal und Rosengarten auf dem Dach.
Das als Werk III bezeichnete Fort wurde 1854–1858 unter König Friedrich Wilhelm IV. erbaut und sollte die westlichen Befestigungen zur Landseite hin schützen. Die dreigeschossige Rotunde mit Terrasse und Beobachtungsturm umgaben fünfeckige Erdwälle mit befestigtem Tor und bis 1863 ein doppelter Wassergraben. Im Erdgeschoss lag Infanterie mit Handfeuerwaffen, in den Obergeschossen leichte Feldartillerie. Geschütze und Munition zog man an Seilen durch ovale Deckenöffnungen nach oben. Im Turm befand sich die Wohnung des Festungskommandanten, im Obergeschoss ein Beobachtungs- und Befehlsstand für die gesamte Festung.
1870–1880 wurden in den inneren Wall drei Geschützunterstände, ein kleines Pulvermagazin und ein Unterstand für die Kanoniere eingebaut; in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestand die Besatzung aus einer Kompanie von rund 100 Mann. Gegen Ende des Jahrhunderts kamen Telegraf und Strom hinzu. In der Zwischenkriegszeit wurde das Fort für den Gaskrieg umgerüstet – mit gasdichten Türen und Panzerblenden vor den Fenstern –, auf dem Turm entstand eine Flak-Funkstation. Im Zweiten Weltkrieg diente es als Luftbeobachtungsposten mit Radar, eine Schmalspurbahn verband es mit den übrigen Werken. Im Mai 1945 setzte sich die deutsche Besatzung kampflos per Schiff nach Westen ab. Danach übernahm die sowjetische Marine das Fort; nach Angaben der Eigentümer war es bis 1992 Luftbeobachtungs- und Fernmeldeposten für die Flotte.
Festungsbauliche Details:
Museumsangebote: der Wikingersaal, in dem man Kostüme und Requisiten anprobieren darf, ein Navigationsraum, eine „Bernsteinmine“, Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, ein Café mit Kamin und die Terrasse mit Rosengarten auf dem Dach der Rotunde. Im Sommer gibt es Konzerte und Lagerfeuer, Kinder können mit einem Mini-Panzer fahren.
Preise im Oktober 2026: Erwachsene 30 PLN; Kinder von 5 bis 18 Jahren, Studierende, Rentner und Menschen mit Behinderung 20 PLN; Gruppen ab 15 Personen 20 PLN pro Person. Die „Bernsteinmine“ kostet 25 PLN, eine Mini-Panzer-Fahrt 30 PLN. Feste Öffnungszeiten gelten im Sommer – außerhalb der Saison rufen Sie am besten vorher an (+48 601 767 171) und vereinbaren einen Termin. Das Fort liegt an der ul. Jachtowa. Für die Besichtigung genügt etwa eine Stunde, mit Kaffee auf der Terrasse etwas mehr. Zur Terrasse führt eine steinerne Wendeltreppe – mit Kinderwagen wird es schwierig. Gut kombinieren lässt sich die Engelsburg mit einem Spaziergang zum Westfort, einem weiteren Teil der alten Festung.
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