Technikdenkmäler
Swinemünde, Westpommern
Der Leuchtturm Swinemünde (Latarnia Morska Świnoujście) ist der höchste Leuchtturm der polnischen Küste und eines der markantesten Technikdenkmäler an der Ostsee. Der Backsteinturm ragt 67,7 m hoch an der Swinemündung auf, im Stadtteil Warszów auf der Insel Wollin (Wolin), direkt neben dem Fort Gerhard. Wer die 308 Stufen hinaufsteigt, blickt über Hafen, Molen und die Wälder Wollins – und weil man seit 2023 nur noch per Schiff hinkommt, wird schon die Anfahrt zum Erlebnis.
Swinemünde (Świnoujście) liegt auf mehreren Inseln an der Mündung der Swine und grenzt unmittelbar an die Usedomer Kaiserbäder. Von Berlin sind es mit dem Auto rund drei Stunden, von Stettin (Szczecin) etwa 100 km. Mit der Usedomer Bäderbahn kommst du von deutscher Seite bis ins Zentrum von Swinemünde. Der Leuchtturm steht auf dem Ostufer der Swine; Innenstadt, Strand und Kurviertel liegen auf dem Westufer (Usedom). Seit 2023 verbindet ein kostenloser Straßentunnel unter der Swine beide Ufer, Fußgänger und Radfahrer nutzen die Fähren.
Ein erstes Feuer aus Brettern und Spiegeln wurde 1805 auf dem Molenkopf errichtet und 1828 durch eine Stahlkonstruktion ersetzt. Den heutigen Turm begann man 1854 zu bauen; am 1. Dezember 1857 wurde er in Betrieb genommen. Bis 1945 war er der höchste Leuchtturm auf deutschem Gebiet, und er gilt als höchster aus Ziegeln gemauerter Leuchtturm der Welt. Ursprünglich war der Turm achteckig und mit gelben Klinkern verkleidet; 1902–1903 baute man ihn zur heutigen runden Form um. Beim Luftangriff auf Swinemünde am 12. März 1945 bekam das Mauerwerk Risse, die erst 1959 durch Injektionen gesichert wurden. Von 1958 bis 1999 diente die Anlage auch als Funkfeuer. Nach einer Generalsanierung ist der Turm seit dem 5. August 2000 für Besucher geöffnet. Er steht unter Denkmalschutz und wird vom Seeamt Stettin verwaltet.
Seit dem 13. April 2023 ist die einzige Zufahrtsstraße (ul. Ku Morzu) wegen der Schutzzone um das LNG-Terminal gesperrt. Der Verein der Leuchtturmfreunde, der die Besucher betreut, gibt an, dass der Turm nur noch per Schiff erreichbar ist. Die Fahrten bietet Adler-Schiffe an: Abfahrt im Zentrum an der ul. Wybrzeże Władysława IV, Halt auch am Fähranleger Bielik in Warszów.
In der Saison 1. April bis 31. Oktober 2026 legen die Schiffe stündlich zwischen 9:30 und 17:30 Uhr im Zentrum ab; zurück geht es vom Leuchtturm stündlich von 10:00 bis 18:00 Uhr.
Winter 2026/27: Für November bis März ist kein Fahrplan veröffentlicht. Fahren keine Schiffe, kannst du den Leuchtturm nicht besuchen – ruf vor einem Besuch außerhalb der Saison unbedingt an.
Für Fans von Leuchttürmen, Festungsgeschichte und Hafenpanoramen: ja. Plane für Schiffsfahrt, Aufstieg und die rund 75-minütige Führung durch Fort Gerhard 3–4 Stunden ein. Der Aufstieg ist eng und steil – für Kleinkinder, Menschen mit Höhenangst oder Knieproblemen eher anstrengend; Kinderwagen bleiben unten. Am schönsten ist es an einem klaren Vormittag außerhalb der Hochsaison. Eine Windjacke gehört ins Gepäck, oben weht es fast immer.
In der Nähe: Zurück im Zentrum lohnt das Museum für Seefischerei im alten Rathaus am Plac Rybaka. Auf dem Westufer warten die Engelsburg (Fort Anioła) und das Westfort (Fort Zachodni), und über die Strandpromenade gelangst du zur Stawa Młyny, der weißen Windmühlen-Bake auf der Westmole. Wenige Kilometer vom Leuchtturm liegt auf Wollin die Unterirdische Stadt – ein Bunkerkomplex aus dem Kalten Krieg, der weiterhin über Land erreichbar ist.
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Geprüft: Oktober 2026