Burgen
Proszówka, Niederschlesien
Ihren Namen soll die Burg einem großen Greif verdanken, der einst an die Wand der Kapelle gemalt war. Der Greiffenstein, polnisch Gryf, war fast vier Jahrhunderte lang Stammsitz der Schaffgotsch — einer der mächtigsten Familien Schlesiens, die sich nach ihm „von Kynast und Greiffenstein“ nannte. Die weitläufigen Ruinen der dreistufigen Anlage stehen auf einem Basalthügel über dem Dorf Proszówka (Gräflich Neundorf) zwischen Gryfów Śląski (Greiffenberg) und Mirsk (Friedeberg) in Niederschlesien.
Die erste sichere Erwähnung der Burg stammt von etwa 1305. Sie wird Herzog Konrad von Glogau oder Herzog Bolko I. dem Strengen von Jauer zugeschrieben und sicherte die Straße von Löwenberg (Lwówek Śląski) nach Böhmen an der schlesischen Grenze. Bis Ende des 14. Jahrhunderts gehörte sie den Herzögen von Schweidnitz-Jauer, dann König Wenzel IV. von Böhmen, der sie an den Ritter Beneš von Choustník verpfändete. 1399–1400 ging das Pfand an Gotsche II. Schoff, Herrn auf Kynast, und seine Familie behielt die Burg mit kurzen Unterbrechungen bis 1798.
Im 15. Jahrhundert kamen zur alten Oberburg eine steinerne Mittel- und Vorburg hinzu, ab 1546 baute Hans Schaffgotsch die Befestigungen aus. Im Dreißigjährigen Krieg belagerten die Schweden den Greiffenstein zweimal: 1639 hielt die Besatzung stand, 1645 kapitulierte sie nach schwerem Beschuss und zwei Stürmen. 1745 besetzten die Preußen die Burg. 1798 ließ Johann Nepomuk Schaffgotsch am Fuß des Hügels ein schlichtes Schloss errichten, und 1799 wurde ein Großteil der Burg als Baumaterial abgetragen.
1617 veranstaltete der 1595 auf der Burg geborene Hans Ulrich Schaffgotsch unterhalb ihrer Mauern ein Ritterturnier. Keine zwanzig Jahre später, 1635, wurde er in Regensburg als angeblicher Mitverschwörer Wallensteins hingerichtet. Um die Ruine ranken sich mehrere Sagen — vom Vogel Greif, von einer spukenden Ahnfrau und vom Ritter Gotsche. Auch der Dichter Theodor Körner besuchte die Burg und widmete ihr ein Gedicht.
Die Burg ist in Privatbesitz und befindet sich laut Bauforschern in vernachlässigtem Zustand. Der Zugang zu den Ruinen ist nicht regelmäßig möglich — erkundigen Sie sich daher vor der Fahrt bei der Touristeninformation in Gryfów Śląski und betreten Sie keine abgesperrten Bereiche. Gut sichtbar ist der Burghügel von der Woiwodschaftsstraße 361 zwischen Gryfów Śląski und Mirsk aus, und vom Dorf aus lohnt sich auch der Weg hinauf zur St.-Leopold-Kapelle.
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