Burgen
gmina Niegowa, Schlesien
Noch in den 1990er-Jahren war von der Burg Bobolice nur eine Ruine auf einem Kalkfelsen übrig. Heute hat die Festung Kasimirs des Großen wieder Dach, Turm und Zinnen – das Ergebnis einer zehnjährigen privaten Rekonstruktion, die im September 2011 eröffnet wurde. Bobolice gehört zu den umstrittensten und zugleich meistfotografierten Orten am Adlerhorst-Pfad (Szlak Orlich Gniazd), einer Burgenkette auf dem Krakau-Tschenstochauer Jura.
Nach den mittelalterlichen Chronisten Johann von Czarnków und Jan Długosz ließ König Kasimir III. der Große die Burg errichten; aus dem Verlauf seiner Regierungszeit ergibt sich eine Bauzeit von 1350–1352. Die Festung auf einem 360 Meter hohen Hügel war Teil einer Burgenkette, die die Grenze des Königreichs zu Schlesien sicherte. 1370 vergab Ludwig von Ungarn sie als Lehen an Herzog Władysław von Oppeln, danach wechselte sie durch die Hände mehrerer Adelsfamilien: Szafraniec, Treska, Kreza, Fogelweder, Chodakowski und Męciński. Um 1560 bauten die Kreza die mittelalterliche Festung zur Residenz um, und im 17. Jahrhundert errichteten die Fogelweder – eine Familie aus dem schweizerischen St. Gallen – an der Stelle des alten Bergfrieds den Hauptturm. Im Dezember 1587 besetzten Truppen von Erzherzog Maximilian von Habsburg, einem Anwärter auf den polnischen Thron, die Burg; im Januar 1588 eroberte Großhetman Jan Zamoyski sie zurück.
1867 ging die Burg in Erbpacht an örtliche Bauern, die Familie Baryła, und die Mauern verfielen nach und nach. 1961 wurde die Ruine in das Denkmalregister eingetragen. 1996 kauften sie die Brüder Jarosław und Dariusz Lasecki, und 2001 begann der Wiederaufbau, dem drei Jahre archäologischer Untersuchungen vorausgingen – gefunden wurden unter anderem Keramik, Ofenkacheln, Glas und Münzen. Für den Mörtel verwendete man gewaschenen Flusssand und gelöschten Kalk, der 30 Jahre lang in Gruben gereift war. Eröffnet wurde die Burg am 3. September 2011. Ein Teil der Kunsthistoriker und Denkmalpfleger kritisierte die Rekonstruktion – das heutige Bauwerk ist also eine moderne Nachbildung, kein erhaltenes Original.
Die bekannteste Legende erzählt von den Zwillingsbrüdern Bobol und Mir, Herren von Bobolice und dem nahen Mirów, die ihre Kriegsbeute in einem Tunnel zwischen beiden Burgen aufbewahrten. Als Mir sich in die Frau seines Bruders verliebte, ertappte Bobol das Paar im Tunnel, erstach Mir und ließ die Frau lebendig einmauern; seitdem soll eine Weiße Dame auf den Mauern umgehen. Eine andere Erzählung verortet im selben Tunnel einen Schatz, bewacht von einer Hexe und einem schwarzen Hund. Die Burg ist in Andrzej Wajdas Film „Der Maler“ („Powidoki“, 2016) zu sehen, und 2017 entstanden hier Aufnahmen für die polnische Fernsehserie „Korona królów“ („Die Krone der Könige“).
Die Burg ist in Privatbesitz und beherbergt ein Hotel mit Restaurant. Klären Sie Regeln und Zeiten für die Besichtigung der Innenräume daher vor der Anreise direkt mit dem Haus – eine offizielle Preisliste konnten wir nicht bestätigen. Mauern und Felsen sehen Sie am besten von außen bei einem Rundgang um den Hügel; am frühen Morgen und späten Nachmittag wirkt der weiße Kalkstein auf Fotos am schönsten. Verbinden Sie den Besuch unbedingt mit der Ruine der Burg Mirów auf der anderen Seite des Felsrückens – zusammen bilden beide das bekannteste Burgenpaar des Polnischen Jura. An den Felsen der Umgebung sind Kletterer unterwegs, bleiben Sie deshalb auf den markierten Wegen.
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