Festungen
Węgierska Górka, Schlesien
Die Betonwände dieses Bunkers tragen noch die Einschläge vom September 1939. „Wędrowiec“ war das Herz der Verteidigung von Węgierska Górka: Hier befehligte Hauptmann Tadeusz Semik, und die Besatzung ergab sich erst nach drei Kampftagen, als die Munition ausging. Wegen des Mutes der Verteidiger nennt man das Gefecht das „Westerplatte des Südens“, nach der berühmten Verteidigung bei Danzig. Heute beherbergt der Bunker ein Museum.
1939 waren in Węgierska Górka 16 Kampfbunker geplant, die das Tal der Sola abriegeln sollten, fertig wurden nur fünf. Besetzt waren sie von der 151. Festungskompanie „Węgierska Górka“ unter Hauptmann Semik, Teil der 1. Gebirgsbrigade. Am 1. September rückte die deutsche 7. (Bayerische) Infanteriedivision von der Slowakei über den Zwardoń-Pass ins Tal vor.
„Wędrowiec“ ist ein schwerer Infanteriebunker der Widerstandsklasse D, errichtet im flachen Tal der Żabnica über einem ihrer Arme. Er diente als Befehlsstand. Die Besatzung bestand aus einem Offizier, drei Unteroffizieren und 15 Mann, bewaffnet mit einer 37-mm-Bofors-Panzerabwehrkanone und drei schweren Maschinengewehren. Die Panzerkuppel wurde nie montiert. Im Inneren lagen drei Kampfräume, ein Gang als innere Luftschleuse, Kommandanten- und Mannschaftsraum sowie eine Toilette; zum technischen Teil gehörten ein Batterieraum mit Notausgang, ein Filterraum und ein Maschinenraum. Zur Feindseite schützte den Bunker ein Erdmantel.
Als die Kämpfe heftiger wurden und keine Melder mehr durchkamen, ließ der Kommandant die Türen verbarrikadieren. Die Besatzung kämpfte ohne Verbindung zu den Nachbarstellungen und erzielte nach Semiks Angaben 8 Treffer auf Panzerfahrzeuge. Als das Geschütz getroffen wurde, wurden zwei Soldaten verwundet, darunter der Kommandant, einer fiel. Am Morgen des 3. September fiel der stellvertretende Kommandant, Feldwebel Stanisław Raczyński, der entgegen dem Befehl vom Dach aus feuerte. Um 17:00 Uhr am 3. September übergab Semik den Bunker. Die deutschen Verluste bei den Kämpfen um Węgierska Górka werden auf 200–300 Mann geschätzt.
Das Museum im Bunker ist in den Sommerferien ab 10:00 Uhr geöffnet; außerhalb der Saison sollten Sie vorab nach Besuchsmöglichkeiten fragen. Der Bunker liegt an der ul. Obrońców Węgierskiej Górki im Ortsteil Bukowina. Planen Sie etwa eine Stunde ein. Verbinden Sie den Besuch mit dem Bunker „Waligóra“ im Nachbarort Cisiec – zusammen ergeben sie ein vollständiges Bild der Verteidigungslinie von 1939.
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