Märkte & Altstädte
Ząbkowice Śląskie, Niederschlesien
Über dem Marktplatz von Ząbkowice Śląskie, dem früheren Frankenstein in Schlesien, erhebt sich ein neugotisches Rathaus mit 72 Meter hohem Turm – bereits das sechste an dieser Stelle seit der Stadtgründung. Sein Vorgänger fiel dem großen Brand vom 24. April 1858 zum Opfer; für den Neubau verkaufte die Stadt in ganz Deutschland eine Gedenkmedaille mit den Inschriften „Gott half“ und „Gott hilf“. Rund um den Platz stehen Bürgerhäuser, viele mit Ursprüngen im 15. und 16. Jahrhundert, und wenige Minuten entfernt neigt sich der berühmte Schiefe Turm.
Ząbkowice entstand um 1280 dort, wo sich die Straße von Breslau nach Prag mit dem Weg von Neisse nach Schweidnitz kreuzte. Das älteste Dokument mit der Nennung der civitas Frankenstein stammt vom 10. Januar 1287; der Name setzt sich aus Teilen zweier früherer, gescheiterter Stadtgründungen zusammen – Frankenberg (Przyłęk) und Löwenstein (Koziniec). Schon 1298 verlieh Herzog Bolko I. der Stadt das Stapelrecht für Salz und Blei, und 1300 arbeitete hier eine Glashütte.
Das erste Rathaus wird 1345 erwähnt. Seine Nachfolger zerstörten die Hussiten 1428, die Kriege Georgs von Podiebrad, ein Brand 1532 und der Dreißigjährige Krieg. Unter dem vierten Rathaus bestand 1535–1569 ein Schweidnitzer Keller, danach das Stadtgefängnis. Der Brand von 1858, von spielenden Kindern verursacht, vernichtete die meisten Häuser am Markt und forderte 27 Todesopfer. Um zwei Uhr nachts stürzte der Rathausturm krachend ein, seine Glocke mit der Inschrift „Vigilate“ („Wachet“) fiel auf den Platz. Die Turmreste sprengten am 4. Mai Artilleristen aus der Festung Silberberg (Srebrna Góra).
Der Bürgermeister wollte einen bescheidenen Bau für 25.000 Taler, doch der Stadtrat setzte ein repräsentatives Gebäude durch. Die Pläne lieferte der Breslauer Architekt Alexis Langer; der Bau 1862–1864 kostete 44.500 Taler, am 21. Mai 1865 zog die Stadtverwaltung feierlich ein. Achten Sie auf die Steinmetzarbeiten – Fialen, Maßwerk, Wimperge, Fratzen und Wasserspeier – und über dem Eingang auf das alte Stadtwappen mit den Wappen der Familien Podiebrad und Auersperg. Heute sind hier das Standesamt und die Stadtbibliothek untergebracht; der Schreibtisch der früheren Bürgermeister steht inzwischen in der Heimatstube.
Der Markt ist ein bequemer Ausgangspunkt: Schiefer Turm, St.-Anna-Kirche, Burgruine und Reste der Stadtmauer liegen nur wenige hundert Meter entfernt. Laut Website der Stadt sind die Sehenswürdigkeiten von Ząbkowice ganzjährig von 9:30 bis 17:30 Uhr geöffnet, außer am 1. Januar, Ostersonntag, 1. November und 25. Dezember. Für den Platz selbst reicht eine halbe Stunde, für eine Runde mit Turm und Burg 2–3 Stunden.
Eintritt frei
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