Kirchen & Klöster
Ząbkowice Śląskie, Niederschlesien
Alle kommen wegen des Schiefen Turms nach Ząbkowice Śląskie (Frankenstein), doch kaum jemand wirft einen Blick in die Kirche, der er einst als Glockenturm diente. Dabei birgt die gotische St.-Annen-Kirche, eine Stiftung von Kaiser Karl IV., ein Renaissance-Grabmal der Herzöge aus dem Haus Podiebrad, eine Kanzel von 1619 und eine Annenfigur, in deren Datum die Ziffer 4 als halbe Acht geschrieben ist.
Gebaut wurde die Kirche 1354–1415. 1428 verwüsteten die Hussiten die Stadt, und der Wiederaufbau dauerte bis 1453. Im 16. Jahrhundert erhielten Mittelschiff und Chor neue Gewölbe, 1772 kam die spätbarocke Annenkapelle hinzu, und bei der neugotischen Restaurierung 1893–1896 wurden die Fassaden mit Maschinenziegeln verkleidet, was der Kirche ihr heutiges Backsteinbild gab. Nach dem Krieg, 1976–1977, wurde der feuchte Innenraum saniert, 2008 folgte das Dach. Die Gemeinde setzt die Restaurierung fort, unter anderem an Figuren und Wappen des Podiebrad-Grabmals.
Die Kirche ist eine dreischiffige Hallenkirche mit vier Jochen. Schauen Sie nach oben, denn hier gibt es vier Gewölbetypen: Kreuzrippengewölbe über den Seitenschiffen, Netzgewölbe über Chor und Mittelschiff, ein achtstrahliges Sterngewölbe über dem Westjoch und ein vierstrahliges über der Nordvorhalle.
Gleich neben der Kirche steht der Schiefe Turm, ein ehemaliger Wehrturm, der zum Glockenturm der Pfarrkirche umgebaut wurde. Er ist 34 m hoch und weicht 2,14 m von der Senkrechten ab, damit ist er der höchste schiefe Turm Polens. Überlieferungen zufolge neigte er sich am 24. August 1598 um 1,5 m.
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