Kirchen & Klöster
Stolec, Niederschlesien
Die gotische Kirche in Stolec (deutsch Stolz), dem größten Dorf der Gemeinde Ząbkowice Śląskie (Frankenstein), besitzt zwei Türme und auf dem Hochaltar ein Gemälde des Barockmalers Michael Willmann. Erstmals erwähnt wurde die Kirche 1251, ihre heutige Gestalt stammt vom Ende des 13. Jahrhunderts. Wenige Jahre später, 1277, kämpften bei Stolz schlesische Herzöge gegeneinander.
Stolz entstand in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Ritterdorf; ein Schultheiß ist 1240 belegt. Der polnische Name geht auf das altpolnische „stolicz“ zurück, die „Hauptstadt“ der umliegenden Gegend. Die Kirche wird 1251 erwähnt; 1257 unterstellte sie der Breslauer Bischof der Pfarrei Sadlno, doch schon 1273 nennen Urkunden einen eigenen Pfarrer namens Heinrich. Der ursprünglich romanische Bau wurde Anfang des 16. Jahrhunderts gotisch umgestaltet, später erweitert und barockisiert; Ende des 19. Jahrhunderts kam eine neugotische Vorhalle hinzu.
1536–1653 und erneut 1707–1945 diente die Kirche als evangelisches Gotteshaus. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts war Stolz Sitz der Freien Standesherrschaft der Familie von Schlabrendorf. Heute ist die Kirche Mariä Unbefleckte Empfängnis und St. Susanna eine katholische Filialkirche.
Am 24. April 1277 kam es zwischen Stolz und Protzan zur Schlacht: Das Breslauer Heer kämpfte gegen Herzog Boleslaus II. von Liegnitz, der im Erbstreit seinen Neffen, den Breslauer Herzog Heinrich IV., gefangen hielt. Einen Waffenstillstand vermittelte erst König Ottokar II. von Böhmen. Laut der Chronik der evangelischen Gemeinde wurde die neue Uhr 1875 angeschafft, weil die vorherige von 1867 in schlechtem Zustand war.
Die Filialkirche hat keine festen Besichtigungszeiten; das Innere sehen Sie am einfachsten zu den Gottesdiensten, von außen jederzeit. Für Kirche und Umgebung genügen 30–45 Minuten. Auf dem Hügel hinter der Kirche liegen die Ruinen eines Schlosses aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, im Stil des französischen Neobarock umgebaut und nach 1945 dem Verfall überlassen, dazu ein verwilderter Park mit Resten von Orangerie und Belvedereturm. Nördlich des Schlosses steht die neugotische Kirche St. Johannes von Nepomuk – die Quellen datieren sie auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts oder auf 1909–1911. Durch Stolec führen der rote Wanderweg (unter anderem zum Zobten/Ślęża) und der gelbe Weg zum Naturschutzgebiet Skałki Stoleckie auf der Góra Wapienna (357 m), wo in einem ehemaligen Kalkbergwerk ein gutes Dutzend Fledermausarten überwintert.
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