Märkte & Altstädte
Olsztyn, Schlesien
Hoch über dem Marktplatz von Olsztyn balanciert auf einem sechs Meter hohen Mast die Skulptur „W nieskończoność“ („Ins Unendliche“) von Jerzy Kędziora, daneben steht in einer Glasvitrine ein Modell der Burg im Maßstab 1:100. Das Original sieht man vom Platz aus: Die Ruine einer Festung aus dem 13. Jahrhundert überragt das Städtchen am Adlerhorst-Weg, rund 15 km südöstlich von Tschenstochau (Częstochowa). Nicht zu verwechseln mit Olsztyn (Allenstein) in Ermland. Der Platz ist ein natürlicher Halt vor oder nach dem Aufstieg zur Burg.
Einen Platz gab es hier mindestens seit dem 14. Jahrhundert, seine heutige Form erhielt er jedoch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, nachdem ein Brand am 1. September 1719 die ganze Stadt vernichtet hatte. Noch 1791 standen hier nur 77 Häuser. Bis in die Zwischenkriegszeit säumten locker stehende Holzhäuser den unebenen Platz, in dessen Mitte ein artesischer Brunnen lag. 1926 entstand ein gemauertes Gemeindeamt mit Volkshaussaal (heute Kulturzentrum und Bibliothek), 1929 kamen Gehwege hinzu, in den 1960er-Jahren eine Grünanlage und Ladenpavillons.
Olsztyn besaß das Stadtrecht von 1488 bis 1870 – verliehen von König Kasimir IV. Jagiełło, entzogen von der russischen Verwaltung, weil der Ort so klein war. Am 1. Januar 2022 wurde es wieder zur Stadt, nachdem sich die Mehrheit der Einwohner in einer Befragung dafür ausgesprochen hatte. Offiziell heißt der Platz heute Marschall-Józef-Piłsudski-Platz; der Stadtgrundriss aus dem 15. Jahrhundert samt Markt steht unter Denkmalschutz.
2013 wurde der Platz neu gestaltet. Es entstanden ein Brunnen und zwei Reihen niedriger, nachts beleuchteter Bäume, und über dem Platz wurde Kędzioras Balanceskulptur aufgestellt. Kędziora ist ein Bildhauer aus Tschenstochau, bekannt für Figuren, die der Schwerkraft zu trotzen scheinen. Die Olsztyner Figur aus Aluminium und Verbundwerkstoff ist etwa 225 cm hoch und scheint in der Luft zu schweben. In der Vitrine sehen Sie die Burg zur Zeit ihrer Blüte, als sie aus Unter-, Mittel- und Oberburg, zwei Vorburgen und mächtigen Mauern bestand – ein Blick lohnt sich vor dem Aufstieg, denn in der heutigen Ruine ist die Anlage schwer zu erkennen.
Die Festung entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zum Schutz Kleinpolens gegen Schlesien; die erste Erwähnung von 1306 nennt sie Burg Przemiłowice. König Kasimir der Große baute sie stark aus; der Überlieferung nach ließ man hier den Posener Woiwoden Maciej Borkowic verhungern. Die schwedische Invasion im 17. Jahrhundert brachte den Niedergang, Anfang des 18. Jahrhunderts wurden Steine der Mauern für eine nahe Kirche verwendet. Am besten erhalten ist ein runder Turm von 35 m Höhe. Die Ruine spielte im Kultfilm „Die Handschrift von Saragossa“ den Besitz des Kabbalisten.
Für den Platz selbst reichen 15–20 Minuten – sehen Sie ihn als Ausgangspunkt: Parken Sie in der Nähe des Marktes und gehen Sie zu Fuß zum Burgberg. Am besten fotografieren Sie die Skulptur gegen den Himmel, abends lohnen die beleuchteten Baumreihen einen Blick.
Eintritt frei
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