Paläste
Ciążeń, Großpolen
Der spätbarocke Palast der Bischöfe von Posen in Ciążeń an der Warthe ist eine der größten und interessantesten Rokoko-Anlagen Großpolens. Das dreigeschossige Gebäude mit Mansarddach, Galerie und Nebengebäude steht in einem Park, der in drei Terrassen zum Fluss hin abfällt. Seit 1969 gehört es der Adam-Mickiewicz-Universität Posen und dient als deren Haus der schöpferischen Arbeit – kein Museum mit Kasse, sondern ein Ort, an dem man übernachten und durch den historischen Park spazieren kann.
Einen Bischofssitz gab es in Ciążeń schon im Mittelalter – der Chronist Janko von Czarnków schrieb über die schönen Gärten rundherum, und die ersten Erwähnungen von Ciążeń stammen aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Der heutige Palast entstand für Bischof Teodor Czartoryski. Zur Bauzeit machen die Quellen unterschiedliche Angaben: Nach einigen wurde er 1758–1768 vom Architekten Józef Sacco errichtet; laut Betreiber ist der Baubeginn unbekannt, und im Todesjahr des Stifters (1788) stand der Palast zwar, war aber nicht vollendet. Sicher ist, dass Bischof Ignacy Raczyński ihn fertigstellte und mit einem Park umgab; die Rokoko-Ausstattung wird auf etwa 1810 datiert. Geplant war, den Palast auf beiden Seiten durch Galerien mit den Nebengebäuden zu verbinden, wegen des Todes des Stifters wurde aber nur die Ostgalerie gebaut.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Zar Alexander I. hier zu Gast. 1818 wurden die bischöflichen Güter eingezogen; erster privater Besitzer wurde Wacław Gutakowski, Adjutant des Zaren. Seine Familie behielt das Gut bis 1860, später gehörte es unter anderem den Familien Golcz, Dąbski, Zakrzewski und Gerlicz, die es 1935 ersteigerten. Nach dem Krieg war hier von 1946 bis 1964 eine Grundschule untergebracht. Palast und Park stehen seit 1949 unter Denkmalschutz.
Jahrzehntelang verband man den Palast vor allem mit der Freimaurerei. Hier befand sich eine Außenstelle der Universitätsbibliothek mit rund 80.000 Bänden freimaurerischer Literatur – von Rosenkreuzer-Drucken des 17. Jahrhunderts bis zu Werken der 1930er-Jahre –, die als eine der größten derartigen Sammlungen Europas gilt. 2017 wurde sie ins Collegium Martineum in Posen gebracht; in Ciążeń ist sie also nicht mehr zu sehen.
Das Haus der schöpferischen Arbeit der Universität liegt in der ul. Wolności 33 in Ciążeń (Gemeinde Lądek, Kreis Słupca) und bietet Übernachtungen, Konferenzräume und Verpflegung – eine Übernachtung ist der einfachste Weg, Palast und Park in Ruhe zu sehen. Wenn Sie als Tourist Gelände oder Innenräume besuchen möchten, fragen Sie vorab bei der Verwaltung nach den aktuellen Regeln (Tel. +48 63 276 41 24, ciazen@amu.edu.pl). Ein Spaziergang durch den Park mit Aufstieg auf den Hügel dauert etwa eine Stunde.
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