Kirchen & Klöster
Pyzdry, Großpolen
Auf einer Böschung über der Warthe, wenige Schritte vom Marktplatz in Pyzdry, steht eine von nur drei erhaltenen mittelalterlichen Franziskaneranlagen in Großpolen. Die gemauerte Kirche und das Kloster entstanden um 1339 auf Initiative König Kasimirs des Großen, nachdem der Deutsche Orden die älteren Gebäude niedergebrannt hatte. Die Kirche der Enthauptung Johannes des Täufers dient bis heute als Gotteshaus, im einstigen Kloster befindet sich das Regionalmuseum des Landes Pyzdry mit Kreuzgängen voller alter Wandmalereien.
Die Kirche wird erstmals 1277 erwähnt. 1331 brannten die Truppen des Deutschen Ordens nach einer polnischen Niederlage Pyzdry nieder und verschonten weder Kirche noch Kloster. Der Wiederaufbau in Backstein unter Kasimir dem Großen gab der Anlage ihre gotische Gestalt, die trotz späterer Änderungen bis heute erkennbar ist. Nach einem Brand 1589 stellte der umliegende Adel die Kirche wieder her, und nach den Schwedenkriegen erhielt das Kloster 1690 seine barocke Vierflügelform um einen Innenhof. Die Türme kamen 1735–1756 hinzu. Nach dem Januaraufstand lösten die russischen Behörden den Orden 1864 auf; um 1910 wurde das Kircheninnere nach Plänen von Aleksander Przewalski erneuert.
Das Museum in Pyzdry wurde 1957 gegründet und zog 1985 in das ehemalige Kloster, wo es Refektorium, Klosterküche und Keller nutzt. Zu sehen sind u. a. der Schädel eines Moschusochsen von vor etwa 35.000 Jahren, Knochen von Mammut und Wollnashorn, die älteste Zunfturkunde von 1531, ausgestellt von König Sigismund dem Alten, sowie Erinnerungsstücke an das Gefecht des Januaraufstands bei Pyzdry am 29. April 1863. Eine Nachbildung eines Geschützes aus dem 14. Jahrhundert erinnert daran, dass bei der Belagerung von Pyzdry 1383 erstmals auf polnischem Boden der Einsatz einer Kanone verzeichnet wurde.
Das Museum (ul. Kaliska 25A) ist dienstags bis sonntags geöffnet; laut seiner Website in der Saison (Mai–September) dienstags bis freitags 10:00–17:00 und am Wochenende 13:00–17:00, außerhalb der Saison kürzer. Die Kirche ist Filialkirche der örtlichen Pfarrei, das Innere sehen Sie daher am einfachsten zu den Gottesdiensten oder nach Absprache; klären Sie vorab mit dem Museum, ob die Kreuzgänge zugänglich sind. Planen Sie etwa 1,5 Stunden für Kirche, Kreuzgänge und Ausstellungen ein. Gehen Sie danach die Treppe hinunter zur Warthe – von dort sieht man am besten, wie die Anlage über dem Tal thront.
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