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Pyzdry, Großpolen
An der Wand der Sporthalle in Pyzdry schwebt ein Priester mit einem Loch im Bauch. Es ist Mikołaj, Pfarrer von Biechowo, getroffen von einer Steinkugel bei der Belagerung von Pyzdry 1383 – beim ersten belegten Einsatz von Pulverartillerie auf polnischem Boden. Das dreidimensionale Wandbild, über 30 Meter lang und 12 Meter hoch, erzählt in mehr als einem Dutzend Szenen die Geschichte der einstigen Königsstadt – von der Flucht des jungen Prinzen Kasimir vor dem Deutschen Orden bis zu einer Schlacht des Januaraufstands von 1863 gegen die russische Herrschaft.
Die Nordwand der Halle an der ul. 3 Maja prägt das Stadtbild von der Warthe aus. Jahrelang hing hier ein Banner zum 750-jährigen Stadtjubiläum, auch eine Kletterwand war im Gespräch. Am Ende setzte sich die Idee von Michał Czerniak durch, dem Direktor des Regionalmuseums: die Stadtgeschichte an die Wand zu malen. Den Entwurf lieferte der Architekt und Dozent der Technischen Universität Poznań Radosław Barek – Schöpfer des bekannten Wandbilds im Posener Viertel Śródka –, gemalt hat die Posener Künstlergruppe Murall unter seiner Aufsicht. Die Umrisse wurden mit einem Projektor übertragen und das Bild mit Pinseln in Silikatfarben ausgeführt. Enthüllt wurde es am 25. Juni 2016.
Die Illusion reicht über die Wand hinaus: Vor dem Bild führt ein Weg aus Steinen auf das gemalte Stadttor zu, und an der Wand kleben Kugeln, die Kanonenkugeln darstellen. Die Gebäude beruhen auf historischen und literarischen Quellen sowie archäologischen Befunden, teils aber auch auf der Fantasie des Künstlers.
Im Hintergrund steht die Königsburg, die Kasimir der Große nach 1333 errichten ließ, zwei Jahre nachdem der Deutsche Orden Pyzdry niedergebrannt hatte. Ihre Wetterfahne zeigt einen Stern – das Symbol des in der Pyzdrer Münze geprägten Denars. Daneben sieht man die Franziskanerkirche, eine idealisierte gotische Pfarrkirche, die hölzerne Heilig-Kreuz-Kirche (1779 abgebrannt), eine Synagoge und ein hölzernes Rathaus mit zwei Jahreszahlen: 1257 – die Stadtgründung – und 1795, als Preußen die Stadt übernahm. Eine Backsteinmauer mit Tor und drei hölzerne Bockwindmühlen vervollständigen das Bild.
Das Wandbild ist jederzeit frei zugänglich und kostenlos. Planen Sie 20–30 Minuten ein – erst aus der Distanz vom Platz vor der Halle, dann aus der Nähe für die Details. Achten Sie auf die aufgeklebten Kanonenkugeln und die Jahreszahl 1795 am Rathaus. Es lohnt sich weiterzugehen: Das Hallenbild inspirierte weitere Malereien in Pyzdry – an der ehemaligen Elektrizitätsstation, auf der Treppe zum Franziskanerkloster und an einem Zaun an der Warthe. Im Juli veranstaltet Pyzdry das Fest „Wystrzałowe Pyzdry“ mit Nachstellung der Belagerung von 1383, Ende August den Kasimir-Lauf.
Eintritt frei
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