Märkte & Altstädte
Pyzdry, Großpolen
Im Jahr 1383, bei der Belagerung von Pyzdry durch die Truppen des masowischen Herzogs Siemowit IV., verzeichneten Chronisten den ersten Einsatz einer Kanone auf polnischem Boden. Seit Januar 2024 erinnert auf dem Marktplatz eine Skulptur dreier mittelalterlicher Kanoniere mit ihrem Geschütz daran. Der weite Platz mit grüner Mitte ist ein guter Startpunkt für einen Rundgang durch eine der ältesten Städte Großpolens – eine ehemalige königliche Stadt an der Warthe, in der einst Entscheidungen von landesweiter Bedeutung fielen.
Pyzdry wird 1232 erstmals erwähnt. Die Gründungsurkunde ist nicht erhalten, doch die Stadt erhielt Magdeburger Recht, höchstwahrscheinlich unter Herzog Bolesław dem Frommen; in den 1280er-Jahren gab es hier sogar eine Münzstätte. 1318 berief König Władysław Ellenlang eine Versammlung nach Pyzdry, die beschloss, den Papst um die Erlaubnis zu seiner Krönung zu bitten, und am 6. Juni 1346 verkündete Kasimir der Große hier die Rechtsstatuten für Großpolen. Damals erhielt die Stadt Mauern und eine viereckige Burg. Vom Mittelalter bis 1846 war sie Kreissitz mit Adelsgerichten.
Pyzdry brannte immer wieder: 1331 legten die Deutschordensritter Feuer, 1655 besetzten die Schweden die Stadt, und 1768 verursachten russische Truppen bei der Verfolgung der Konföderierten von Bar, einer gegen den russischen Einfluss kämpfenden Adelsbewegung, einen Großbrand. 1768 ist zugleich das Baujahr des Laubenhauses – eines der wenigen Zeugen der alten Holzstadt. Ende des 16. Jahrhunderts arbeiteten hier 181 Handwerker und Händler, darunter 21 Schuster und 20 Schankwirte. Bei Pyzdry fanden außerdem Musterungen des Adelsaufgebots der Woiwodschaft Kalisz statt.
Der Marktplatz ist kostenlos und jederzeit zugänglich. Pyzdry liegt am hohen rechten Ufer der Warthe an der Woiwodschaftsstraße 442 zwischen Września und Kalisz. Für den Platz selbst reichen 20–30 Minuten, besser ist er aber als Startpunkt einer Runde: von den Kanonieren zum Laubenhaus, weiter zur ehemaligen Franziskanerkirche und hinunter an den Fluss – etwa eine Stunde. Die Ausstellungen im Laubenhaus sind nicht täglich geöffnet; aktuelle Termine erfahren Sie beim Museum des Pyzdry-Landes oder auf der Website der Gemeinde.
Eintritt frei
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