Kirchen & Klöster
Ląd, Großpolen
Von der Straße an der Warthe sieht man zuerst zwei durchbrochene Türme und eine gewaltige Kuppel – die barocke Krone einer Abtei, die im 18. Jahrhundert als ältestes Zisterzienserkloster der polnisch-litauischen Adelsrepublik galt. Hinter dieser Fassade verbirgt sich jedoch etwas Älteres und Selteneres: das gotische Oratorium St. Jakob mit Wandmalereien von etwa 1370, die zu den wertvollsten Polens zählen. Seit dem 1. Juli 2009 ist die Anlage in Ląd Geschichtsdenkmal Polens, seit 1921 wird sie von den Salesianern betreut.
Der Überlieferung nach wurde das Kloster 1145 gegründet, vermutlich als Tochter der Abtei Łekno; selbstständig war es ab etwa 1175. Nach 1193 ließen sich hier auf Betreiben von Herzog Mieszko dem Alten Zisterzienser aus Altenberg bei Köln nieder, und bis ins 16. Jahrhundert stammten die Mönche aus dem Rheinland. Die Abtei wurde rasch reich: Um 1300 besaß sie 30 Dörfer, um 1500 schon 52 Dörfer und 3 Städtchen. Erst ein Reichstagsbeschluss von 1538 schrieb vor, einen Polen zum Abt zu wählen – die deutschen Mönche akzeptierten das nicht und zogen nach Heinrichau (Henryków) in Schlesien.
Die Blütezeit kam im 18. Jahrhundert unter Abt Mikołaj Antoni Łukomski (1697–1750), der als zweiter Stifter gilt. Der Umbau der Kirche begann 1651, und 1728–1737 vollendete der italienische Architekt Pompeo Ferrari sie mit einem Zentralbau unter einer 38 Meter messenden Kuppel. Geweiht wurde die Kirche 1743. 1819 wurde die Abtei aufgehoben, später lebten hier Kapuziner, und 1939–1941 richteten die deutschen Besatzer im Kloster ein Durchgangslager für Geistliche ein. Unter den 152 Häftlingen war Bischof Michał Kozal; die meisten wurden nach Dachau deportiert.
Die Abtei ist ein bewohntes Salesianerhaus mit Priesterseminar, daher sind Teile nicht zugänglich, und den Besuch des Oratoriums und des Kreuzgangs sollten Sie mit der Gemeinschaft absprechen. Die Kirche besichtigen Sie außerhalb der Gottesdienste in etwa 45 Minuten; mit Oratorium und Kloster rechnen Sie mit anderthalb Stunden. Sind die Innenräume geschlossen, bietet die offizielle Website der Abtei einen virtuellen Rundgang. Den schönsten Blick auf das Ensemble haben Sie von den Wiesen im Warthetal, besonders im Nachmittagslicht. Ląd liegt im Kreis Słupca, unweit der Stadt Słupca, an der Zisterzienserstraße.
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