Paläste
Miasteczko Śląskie, Schlesien
An einem Waldweg in Bibiela, einem Ortsteil von Miasteczko Śląskie, steht ein Jagdschlösschen, das die Familie Henckel von Donnersmarck, Besitzer der umliegenden Wälder, 1890 errichten ließ. Fast ein Jahrhundert später erhielt es in einer völlig anderen Welt ein zweites Leben: In den 1970er-Jahren übernahm die regierende Polnische Vereinigte Arbeiterpartei (PZPR) das Haus für ihren Ersten Sekretär Edward Gierek. Ein guter Anlass für einen Waldspaziergang, der sich leicht mit der gefluteten Grube von Pasieki verbinden lässt.
Die Donnersmarcks, eine der reichsten Industriellenfamilien Oberschlesiens, besaßen hier ausgedehnte Güter – aus einem ihrer Vorwerke im nahen Żyglinek stammt ein Speicher von 1795. Das Jagdhaus in Bibiela diente ihnen als Ausgangspunkt für Jagden. In den 1970er-Jahren übernahm die Partei das Gebäude und legte daneben ein Schwimmbecken und einen großen Garten an. Heute ist das Schlösschen ein unauffälliges Haus im Wald und kein Museum – offizielle Quellen nennen keine Möglichkeit, das Innere zu besichtigen.
Bibiela zieht sich entlang einer einzigen Straße, der ul. Starowiejska. Der Name geht wohl auf einen Müller zurück: 1683 verzeichnete das Kirchenbuch von Żyglin einen „Szymon Bibiela aus Bibielina“. Die Mühle wurde 1729 aufgegeben, in ihren Gebäuden entstand ein Forsthaus; die Kolonie aus zehn Bauernhöfen erhielt 1825 eine eigene Gemeindeverwaltung. In den Pasieki genannten Wäldern entstanden 1889 zwei Gruben für Eisen-, Zink- und Bleierze. 1917 stieß man in einem Stollen auf einen starken Wassereinbruch, und die Grube lief voll – die Bergleute konnten sich retten, die Maschinen gingen verloren. Heute sind dort bunte Teiche, Ruinen und rostrote Halden zu sehen.
Betrachten Sie das Schlösschen vom Waldweg aus und betreten Sie das Grundstück nicht, denn keine offizielle Quelle weist es als für Besucher geöffnet aus. Für einen kurzen Halt genügt eine Viertelstunde, doch ein längerer Spaziergang oder eine Radtour lohnt sich: Die Gemeinde hat in der Gegend Radwege mit Rastunterständen ausgewiesen – einer liegt gegenüber dem Waldparkplatz an der Woiwodschaftsstraße 908, ein weiterer in Mieczysko nahe Pasieki. Der Sage nach flutete der erzürnte Berggeist Szarlej, Hüter der Erze, die Grube. In Bibiela stehen zudem mehrere Naturdenkmal-Bäume, darunter fast 200 Jahre alte Linden und auf 550 Jahre geschätzte Eichen.
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