Kirchen & Klöster
Henryków, Niederschlesien
„Day, ut ia pobrusa, a ti poziwai“ – „Lass mich jetzt mahlen, und du ruh dich aus“ – sagte laut der Chronik der Siedler Boguchwał zu seiner Frau, die an der Handmühle arbeitete. Um 1270 in das lateinische Heinrichauer Gründungsbuch eingetragen, gilt dieser Satz als ältester schriftlich überlieferter Satz in polnischer Sprache. Das Kloster, in dem das Buch entstand, ist heute eine der prächtigsten Barockanlagen Schlesiens: mit einer Kirche voller Werke von Michael Willmann, Rokoko-Chorgestühl und der Grablege der Piasten von Münsterberg (Ziębice).
1222 erlaubte Herzog Heinrich I. der Bärtige dem Breslauer Domherrn Nikolaus, an der Ohle (Oława) Zisterzienser anzusiedeln; formeller Stifter wurde sein Sohn Heinrich II. der Fromme. Am 28. Mai 1227 trafen neun Mönche aus Leubus (Lubiąż) ein. Der Mongolensturm von 1241 zerstörte die ersten Gebäude, danach schrieb Abt Peter die Geschichte des Klosters und seiner Güter nieder – so entstand der Liber fundationis, das Heinrichauer Gründungsbuch. Das Kloster gewann an Einfluss: 1292 gründete es eine Tochterabtei in Grüssau (Krzeszów), und die Herzöge von Münsterberg wählten es als Grablege.
Hussitenkriege (1427–1430), Dreißigjähriger Krieg und die Pest von 1633 verwüsteten das Kloster mehrfach. Die Blütezeit begann nach 1650: Es entstand das barocke Klostergebäude (1681–1702) mit rund 300 Räumen, und 1699 erwarb die Abtei das von den Türken zerstörte Kloster Zirc in Ungarn. Das Ende kam mit der preußischen Säkularisation 1810 – nach 582 Jahren mussten die Mönche gehen und durften nur Habit, Brevier und Proviant für zwei Tage mitnehmen. Die Güter kaufte Königin Friederike Wilhelmine der Niederlande, später gingen sie an die Herzöge von Sachsen-Weimar. 1949 kehrten Zisterzienser zurück.
Das Original des Heinrichauer Gründungsbuchs befindet sich im Erzdiözesanmuseum in Breslau und wurde 2015 in das UNESCO-Register „Memory of the World“ aufgenommen; im Eichensaal der Abtei ist eine Nachbildung zu sehen. Der Eichensaal ist für sein Intarsienparkett und die Vertäfelung bekannt, der Purpursaal für sechs Gemälde Willmanns mit den Stiftern des Klosters. Im Jahr 2000 besuchte Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., die Abtei.
Kirche und Kloster sind zwei verschiedene Erlebnisse: Die Kirche können Sie meist selbstständig betreten, die Klostersäle werden bei Führungen gezeigt – Zeiten und Preise erfragen Sie vorab an der Klosterpforte. Für die Kirche genügt eine Stunde, mit Kloster und Abtsgarten sollten Sie 2–3 Stunden einplanen. Henryków hat einen Bahnhof an der Strecke Breslau–Kamenz (Kamieniec Ząbkowicki), zur Abtei geht es zu Fuß durch den Park. In der Nähe lohnen Ziębice (Münsterberg) und Ząbkowice Śląskie (Frankenstein) einen Abstecher.
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