Kirchen & Klöster
Auf einer Anhöhe bei der Altstadt von Strzelin steht eines der ältesten Steinbauwerke Niederschlesiens — die romanische Rotunde St. Gotthard. Der Zentralbau entstand vermutlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, wird aber von manchen Forschern auf das Ende des 12. Jahrhunderts datiert. Der aus Böhmen und Mähren bekannte Typ hat in Schlesien heute nur zwei erhaltene Entsprechungen: in Cieszyn und im Dorf Stronia bei Oleśnica.
Spätere Umbauten verwischten die ursprüngliche Gestalt der Rotunde. Im 14. Jahrhundert ersetzte man die halbrunde Apsis durch ein rechteckiges, steinernes Schiff mit zweijochigem Gewölbe, im 15. Jahrhundert kam das Zwillingsschiff an der Südseite hinzu, und die Rotunde selbst wurde um ein achteckiges Mauerwerksgeschoss erhöht und zum Glockenturm umgebaut. Die Umgestaltungen gingen so weit, dass frühere Forscher den runden Turm für den Rest eines Wehrturms hielten.
Jahrhundertelang diente der Tempel den Bewohnern der Strzeliner polnischen Sprachinsel — bis ins 19. Jahrhundert hieß er Polnische Kirche. Ab 1574 gehörte er den Lutheranern, 1698 holten die Katholiken ihn zurück, um ihn 1709 erneut an die Protestanten zu verlieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand er lange ungenutzt; 1992 übernahm ihn die Strzeliner Pfarrei Kreuzerhöhung.
Die Rotunde steht nur wenige Schritte vom Marktplatz, sodass Sie ihre Außenansicht bei einem Altstadtspaziergang sehen — das Innere ist nur gelegentlich zugänglich. Die Fahrt von Breslau dauert mit dem Auto weniger als eine Stunde. Zum Vergleich lohnt sich die Zwillingrotunde auf dem Burgberg (Góra Zamkowa) in Cieszyn.
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