Küste
Kolberg, Westpommern
Die Seebrücke in Kolberg (Kołobrzeg) ist ein 220 Meter langer Steg aus Stahlbeton, der mitten im Kurviertel in die Ostsee hinausführt – und die bekannteste Sehenswürdigkeit des beliebten Badeorts an der westpommerschen Küste. Vom Brückenkopf blickst du auf den breiten Sandstrand, die Sanatorien, den Hafen und den Leuchtturm. Besonders stimmungsvoll ist ein Spaziergang zum Sonnenaufgang oder -untergang und an stürmischen Tagen, wenn die Wellen gegen die Pfeiler schlagen.
Kolberg war bis 1945 eine deutsche Stadt und schon im 19. Jahrhundert ein bekanntes Seebad. 1881 entstand am Kurhotel Strandschloss die erste Seebrücke: ein hölzerner, T-förmiger Steg von etwa 100 Metern Länge mit Anlegestelle für kleine Segelboote. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, als die Stadt bei schweren Kämpfen im Frühjahr 1945 weitgehend in Trümmer fiel.
Die heutige Seebrücke wurde am 19. Juni 1971 eröffnet. Sie besteht aus Stahlbeton, damit sie den Ostseestürmen standhält, ist 9 Meter breit, und die Promenade liegt rund 4,5 Meter über dem Meeresspiegel. Am Ende befindet sich ein zweistöckiger Brückenkopf, an dem kleine Ausflugsschiffe anlegen können. 2014 wurde die Seebrücke für rund 3 Mio. Złoty grundlegend saniert: neuer Belag, neue Bänke und Beleuchtung sowie eine abendliche Illumination. Die Wiedereröffnung war am 27. November 2014.
Am ruhigsten ist es früh am Morgen und außerhalb der Sommerferien; an warmen Juli- und Augustabenden wird es auf dem Steg voll. Im Herbst und Winter zeigt sich die Seebrücke von ihrer rauen Seite – Wind, Gischt und jodhaltige Seeluft, für die das Kurbad Kolberg seit dem 19. Jahrhundert bekannt ist.
Wer in Kolberg ist, kommt an der Seebrücke nicht vorbei. Für den Spaziergang reichen 20–40 Minuten, mit Kaffee etwa eine Stunde. Die Promenade ist eben und breit, also auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl gut machbar. Laut der von Medien zitierten Hausordnung sind Tiere (außer Assistenzhunden), Fahrzeuge, Angeln und Alkohol verboten – Hunde müssen also draußen bleiben. Bei starkem Wind sperrt der Betreiber, das städtische Sport- und Erholungszentrum MOSiR, die Seebrücke, wie zuletzt am 5. September 2026 während eines Sturms.
Die Seebrücke ist rund um die Uhr zugänglich. Eintritt wird nur in der Hauptsaison verlangt: 2026 laut MOSiR-Angaben in der Lokalpresse vom 24. April bis 30. September, täglich 10–22 Uhr. Regulär kostete der Eintritt 9 PLN (Złoty), ermäßigt 5 PLN (Kinder von 4 bis 7 Jahren, Schüler und Studierende bis 26 Jahre, seit 2026 auch Personen über 60), mit Nachweis der Kurtaxe nur 2 PLN. Das Familienticket für zwei Erwachsene und ein Kind kostet 21 PLN. Kinder unter 4 Jahren sind frei, brauchen aber ein Gratisticket von der Kasse. Von Oktober bis zum Frühjahr ist der Spaziergang kostenlos. Die Preise für die nächste Saison veröffentlicht MOSiR Kołobrzeg.
Kolberg liegt rund 300 Straßenkilometer nordöstlich von Berlin; mit dem Auto geht es über Stettin (Szczecin) und die Schnellstraße S6, was etwa dreieinhalb bis vier Stunden dauert. Die Seebrücke liegt am Ende der ul. Mickiewicza, an der Promenade Bulwar Jana Szymańskiego, neben dem Sanatorium Bałtyk und dem Kurpark. Vom Bahnhof Kołobrzeg sind es rund 1,5 km, etwa 20 Minuten zu Fuß; direkte Züge fahren u. a. aus Stettin und Posen (Poznań). Im Sommer sind Parkplätze in Strandnähe knapp – am besten das Auto beim Hotel lassen.
Etwa 650 Meter westlich, rund zehn Minuten am Strand entlang, steht der Leuchtturm am Hafen; dort starten in der Saison Ausflugsschiffe. In der Stadt lohnen die gotische Marienbasilika (Kolberger Dom) und das Museum des Polnischen Militärwesens, an der Promenade erinnert ein Denkmal an die „Vermählung Polens mit dem Meer“ im März 1945. Ein Radweg führt an der Küste entlang Richtung Podczele und Ustronie Morskie.
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Geprüft: Oktober 2026