Kirchen & Klöster
Ruda Śląska, Schlesien
Über dem Stadtteil Ruda erhebt sich eine Backsteinbasilika, die aussieht, als hätte man sie aus Rom nach Oberschlesien versetzt. Die St.-Josef-Kirche ließ Graf Franz Xaver von Ballestrem, Besitzer der örtlichen Gruben und Hütten, 1902–1904 nach dem Vorbild der römischen Basilika San Lorenzo fuori le Mura errichten. Im Inneren warten Säulen mit Reliefs menschlicher Temperamente, ein „Jerusalem“-Kronleuchter mit 144 Lampen und die Gruft der Stifter.
Am 18. Juli 1900 kündigte Graf Franz Xaver von Ballestrem öffentlich an, er wolle ein bleibendes Denkmal hinterlassen und in Ruda eine neue Kirche bauen. Er wählte den höchsten Punkt des Ortes und kaufte dort die Grundstücke. Der Grundstein wurde am Barbaratag, dem Fest der Bergleute, am 4. Dezember 1901 gesegnet. Der Bau, vollständig aus dem Privatvermögen des Grafen bezahlt, dauerte 29 Monate, von April 1902 bis September 1904. Der Berliner Architekt August Menken und der Schwager des Grafen, Johann Joachim von Pölnitz, verbanden das römische Vorbild mit rheinischer Romanik, eine Anspielung auf die italienisch-deutschen Wurzeln der Familie. Die Ziegel kamen aus der gräflichen Ziegelei „Karol Emanuel“. Kardinal Georg Kopp weihte die Kirche am 21. Juni 1905, sie blieb aber Privatbesitz des Stifters und ging erst 1910, zur Goldenen Hochzeit des Grafen, an die Pfarrei über. 2010 wurde sie zum erzdiözesanen St.-Josef-Heiligtum erhoben.
Unter dem Chor liegt eine als Grabkapelle gestaltete Gruft. Hier ruhen Franz Xaver Ballestrem mit seiner Frau Johanna von Saurma-Jeltsch sowie Valentin Wolfgang Ballestrem mit seiner Frau Agnes zu Stolberg-Stolberg. An den Abgängen stehen zwei bronzene Todesengel des Berliner Bildhauers Joseph Limburg: Einer hält einen Kranz, der andere betet. Sie wurden 1938 vom Pfarrfriedhof in die Kirche gebracht.
Die Kirche steht in der ul. Piastowska 16 und ist eine aktive Pfarrkirche; planen Sie den Besuch daher außerhalb der Gottesdienste und fragen Sie im Pfarrbüro nach dem Zugang zur Gruft (Montag und Freitag 8:30–10:15 und 16:30–17:30, Mittwoch 17:00–18:00). Für den Innenraum und die Säulendetails sollten Sie 30–45 Minuten einplanen. Ein Fernglas oder eine Kamera mit Zoom lohnt sich, denn die schönsten Reliefs sitzen hoch oben an den Kapitellen.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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