Kirchen & Klöster
Ruda Śląska, Schlesien
Eigentlich sollte sie dem hl. Antonius geweiht werden, wie ihr „großer Bruder" im westfälischen Rheine – doch der Direktor der örtlichen Hütte, Paul Gasz, überzeugte die Gemeinde von einem anderen Patron. Die Kirche St. Paulus in Ruda Śląska-Nowy Bytom (dt. Friedenshütte) ist eine monumentale neuromanische Basilika, die in Rekordzeit entstand: Der Grundstein wurde 1911 geweiht, die Konsekration folgte bereits am 15. September 1912. Sie schließt den Johannes-Paul-II.-Platz, den Marktplatz von Nowy Bytom, nach Westen ab, und ihr Kuppelturm ist weithin sichtbar.
Die Pfarrei Nowy Bytom reicht ins 15. Jahrhundert zurück, doch um 1900 wurde der Ort (schlesisch „Fryncita") zu einem bedeutenden Industriezentrum rund um die Hütte und Grube „Pokój" – die frühere Friedenshütte und Gottessegen. Die kleine St.-Josefs-Kirche von 1885 reichte nicht mehr aus; später musste sie wegen Bergschäden abgerissen werden. Pfarrer Emil Korus regte einen monumentalen Neubau an, die Bauaufsicht übernahm Pfarrer Edward Adamczyk. 1909 legte der Dortmunder Architekt Johannes Franziskus Klomp, gebürtiger Niederländer, Pläne für Kirche, Innenausstattung und das benachbarte Pfarrhaus vor. Der Grundstein trägt einen lateinischen Spruch über das Bauen „auf dem Fundament der Apostel und Propheten".
Die Kirche ist eine dreischiffige Basilika mit Querhaus und einem Chor mit halbrunder Apsis. Wegen der Platzanlage ist sie nicht geostet: Der Turmbau steht im Osten, davor eine Vorhalle (Narthex) mit drei Arkaden. Der Hauptturm geht vom Quadrat ins Achteck mit Ecktürmchen über und endet in einer Kuppelhaube mit Laterne; zwei zylindrische Kuppeltürme flankieren die Fassade. Klomp verband die Neuromanik mit frühchristlichen, byzantinischen und ottonischen Motiven, ja sogar mit Formen der islamischen Kunst. Dabei zitierte er rheinische und westfälische Kirchen wie die Abtei Maria Laach und den Paderborner Dom.
Die Kirche (pl. Jana Pawła II 5) ist eine aktive Pfarrkirche – das Innere sehen Sie am besten zwischen den Messen. Planen Sie 30–45 Minuten für einen Rundgang außen und innen ein; die Bildhauerdetails wirken im Streiflicht am späten Vormittag oder Nachmittag am besten. Der Turm wurde 2009–2010 renoviert. Verbinden Sie den Besuch mit einem Spaziergang durch die historische Arbeitersiedlung von Nowy Bytom; auch das historische Viertel Nikiszowiec in Katowice ist nicht weit.
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