Technikdenkmäler
Bytom, Schlesien
Die Oberschlesische Schmalspurbahn, im Volksmund „Rosbanka" genannt, ist eine historische Strecke mit 785 mm Spurweite, die heute Touristen auf 21 km von Bytom (Beuthen) über Tarnowskie Góry (Tarnowitz) nach Miasteczko Śląskie befördert. Das Netz entstand Mitte des 19. Jahrhunderts, um Rohstoffe und Halbfabrikate zwischen Gruben und Hütten zu transportieren. Der Betreiber bezeichnet sie als älteste ununterbrochen betriebene Schmalspurbahn der Welt; unterwegs können Sie an der Historischen Silbermine oder an einem Stausee aussteigen.
Vor der Bahn transportierten Pferdefuhrwerke die Güter, und der Verkehr hielt mit dem industriellen Wachstum nicht Schritt. Die typische Spurweite von 785 mm, also 30 preußische Zoll, wurde 1846 festgelegt; am 24. März 1851 erhielt die Oberschlesische Eisenbahngesellschaft die Konzession für zwei zunächst pferdebetriebene Hauptstrecken. Als Eröffnungsjahr des Netzes gilt 1854; 1854–1857 entstanden die Abschnitte Tarnowskie Góry – Wirek und Bytom Karb – Bogucice – Kunigundehütte. Die ersten Dampfloks fuhren 1855, doch noch jahrelang verkehrten daneben auch Pferde.
Die Bahn wuchs schnell. 1870 überstieg das Transportvolumen 1 Million Tonnen, 1884 verstaatlichte das Königreich Preußen das Netz, und 1901 umfasste es über 138 km Hauptstrecken, 51 Lokomotiven und 3.693 Güterwagen. Mit der Teilung Oberschlesiens 1922 zerschnitt die Grenze das Netz an mehreren Stellen. Nach 1945 übernahm die Polnische Staatsbahn (PKP) die Strecken, die jahrzehntelang der Industrie des Oberschlesischen Industriegebiets dienten.
2001 beschloss die PKP, die meisten Schmalspurbahnen des Landes aufzulösen. Eine Gruppe von Bahnfreunden überzeugte die Städte Bytom, Tarnowskie Góry und Miasteczko Śląskie, die Gleise sowie einen Teil der Wagen und Loks zu übernehmen; seit April 2002 gehört die Strecke den Kommunen. Im Juli 2003 wurde der Verein der Oberschlesischen Schmalspurbahnen gegründet, der bis heute den Betrieb führt und den Fuhrpark mit rund 20 aktiven, überwiegend ehrenamtlichen Mitgliedern pflegt.
Die Züge verkehren saisonal nach Fahrplänen, die der Verein veröffentlicht; neben den regulären Fahrten gibt es Sonderzüge wie den Halloween-„Todeszug" sowie Charterfahrten für Feiern. Prüfen Sie vorab Fahrplan, Fahrpreise und die Möglichkeit, am selben Tag zurückzufahren. Am lohnendsten ist eine Fahrt mit Halt an der Silbermine oder am Stausee in Miasteczko Śląskie. Der Verein richtet zudem eine Traditionsstube – ein kleines Bahnmuseum – ein und sammelt Spenden für den Erhalt der Strecke.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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