Kirchen & Klöster
Dobczyce, Kleinpolen
Im mittleren Bogen des Glockenturms neben der Kirche St. Johannes der Täufer hängt die Glocke „Jan“, gegossen 1504 unter König Alexander dem Jagiellonen – die einzige Glocke von Dobczyce, die den Zweiten Weltkrieg überstand. Um ihren Hals läuft eine deutsche Inschrift, in der der Glockengießer erklärt, er sei „guten Mutes“, denn Gott werde ihm das Heil schenken. Die klassizistische Kirche selbst, erbaut 1828–1834, steht in der Altstadt zwischen alten Bäumen, innerhalb der mittelalterlichen Mauern und nur wenige Schritte von der Burgruine entfernt.
Die erste Kirche stand auf dem Hügel womöglich schon im 13. Jahrhundert; der Chronist Jan Długosz erwähnt hier eine Kirche St. Johannes der Täufer. Ende des 16. Jahrhunderts stiftete der Starost Sebastian Lubomirski eine Steinkirche, die wegen ihres schlechten Zustands 1790 geschlossen wurde. Die heutige Kirche begann 1828 der Besitzer von Dobczyce, Jan Turnau, sein Sohn Jakub vollendete sie. Verbaut wurde Material der abgetragenen Burg von Dobczyce. Geweiht wurde sie 1854.
Im 19. Jahrhundert verlagerte sich die Stadt ins Tal der Raba, weit weg vom Hügel. Werktags wurde lange in einer Kapelle am Marktplatz gefeiert, zur Altstadtkirche stieg man an Sonn- und Feiertagen hinauf. 1947–1949 entstand am Marktplatz die Kirche Maria Hilfe der Christen, die die Rolle der Hauptkirche der Pfarrei übernahm.
Vom Friedhof „Jeleniec“ führen die Steinernen Stufen zur Altstadt hinauf. Oben stehen Figuren der Unbefleckten Empfängnis und des hl. Johannes Nepomuk, die einst die Brücke über die Raba schmückten – im Krieg warfen die Deutschen sie in den Fluss, später wurden sie geborgen und versteckt, und 1970 stellten Mitglieder des Wandervereins PTTK sie an ihrem heutigen Platz auf. Daneben wächst ein Naturdenkmal, die Linde „Marysieńka“, die an den Sieg Jan III. Sobieskis bei Wien 1683 erinnert; in ihrem Stamm wurde eine Grotte mit einer Marienfigur eingerichtet.
Adresse: Stare Miasto 3, 32-410 Dobczyce. Die Kirche gehört zur Pfarrei Maria Hilfe der Christen. Das Innere sehen Sie am einfachsten während eines Gottesdienstes; andere Besuche stimmen Sie mit dem Pfarrbüro ab (Tel. +48 12 271 10 44). Glockenturm, Linde und Kirchhof sind jederzeit zugänglich. Der Eintritt ist frei. Für die Umgebung genügen 15–20 Minuten, ein Rundgang über den Hügel mit Freilichtmuseum und Burgruine dauert 1,5–2 Stunden.
Steigen Sie über die Steinernen Stufen vom Friedhof „Jeleniec“ hinauf – unterwegs passieren Sie die Brückenfiguren und die Linde „Marysieńka“ und sehen den Glockenturm von vorn. Das Gelände um die Kirche ist abschüssig, die Wege sind uneben. Dobczyce liegt rund 30 km südöstlich von Krakau. In der Nähe: die Burgruine mit dem Regionalmuseum der PTTK, das Freilichtmuseum, Reste der Stadtmauer, die Kirche Maria Hilfe der Christen mit ihrer gotischen Pietà und die Staumauer am Dobczyce-Stausee.
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