Festungen
Dobczyce, Kleinpolen
Auf dem Altstadthügel von Dobczyce, gleich neben der Ruine der Königsburg, sind Abschnitte der mittelalterlichen Stadtmauer aus Sandstein erhalten. Manche Teile stehen noch in voller Höhe, andere wurden rekonstruiert, und ein wiederaufgebauter Turm dient heute als Aussichtspunkt über das Raba-Tal und den Dobczyce-Stausee. Ein kurzer, aber lohnender Rundgang entlang einer der besser ablesbaren Befestigungen einer Kleinstadt in Kleinpolen.
Die Befestigung entstand wahrscheinlich unter Władysław Ellenlang, möglicherweise an der Stelle älterer Holz-Erde-Wälle. Die ältesten Teile stammen aus dem frühen 14. Jahrhundert, abgeschlossen oder modernisiert wurde sie Anfang des 15. Jahrhunderts; Geschützscharten im Ostabschnitt belegen spätere Ausbauten. 1570 gewährte König Sigismund August der Stadt Zolleinnahmen zur Ausbesserung der Mauern. Die Stadt und vermutlich auch ihre Befestigung zerstörten die Schweden 1702. Danach verlagerte sich die Bebauung ins Tal, und die ungenutzten Mauern verfielen.
Der unregelmäßige Mauerring folgte der Form des Hügels, war etwa 650 Meter lang und umschloss rund 3,5 Hektar. Die Mauerstärke schwankte zwischen 1,2–1,35 m und 1,9–2 m, was auf verschiedene Bauphasen hindeuten kann. Stadtseitig war die Mauer samt Zinnen über 7,5 m hoch, außen im Schnitt 2 Meter höher, da sie im unteren Bereich als Stützmauer diente. Oben verlief hinter den Zinnen der Wehrgang, stellenweise durch eine hölzerne Galerie verbreitert.
Die Mauern wurden 2012 revitalisiert. Das Portal Medieval Heritage lobt die hölzerne Rekonstruktion des Wehrgangs, kritisiert aber die Stahltreppe im Turm. Von Osten führen Steinstufen in die Altstadt, gesäumt von Figuren der Unbefleckten Empfängnis und des hl. Johannes Nepomuk; daneben wächst die Linde „Marysieńka", ein Naturdenkmal zur Erinnerung an den Sieg Johanns III. Sobieski bei Wien.
Für die Mauern allein genügen 30 Minuten, doch lohnt sich die Verbindung mit der Ruine der Königsburg, in der das Regionalmuseum des PTTK untergebracht ist, und dem nahen Freilichtmuseum. Am schönsten wirkt der Hügel im Nachmittagslicht, wenn der Sandstein warm leuchtet. Vom Burghügel blicken Sie auf das Karpatenvorland und die Beskiden, unten liegt der Dobczyce-Stausee.
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