Historische Orte
Posen, Großpolen
Der Friedhof der Verdienten Großpolen (Cmentarz Zasłużonych Wielkopolan) auf dem Wojciech-Hügel ist der älteste erhaltene Friedhof von Posen und einer der stimmungsvollsten Orte in der Innenstadt. Am Hang, zwischen alten Bäumen, Efeu und gusseisernen Kreuzen, ruhen Menschen, die das moderne Großpolen geprägt haben – vom ersten Befehlshaber des Großpolnischen Aufstands bis zum Ministerpräsidenten der Exilregierung. Der Eintritt ist frei, und ein kurzer Weg führt zur Krypta der Verdienten unter der Adalbertkirche.
Gegründet wurde der Friedhof 1808 durch eine Vereinbarung zwischen der Pfarrgemeinde und den Dominikanern; der älteste erhaltene Grabstein stammt von 1813. In preußischer Zeit erhielt das Gelände 1836 seine heutige, annähernd dreieckige Form. Ende des 19. Jahrhunderts endeten die regulären Bestattungen, der Friedhof verwilderte. Nach Schäden im Jahr 1945 wurde 1948 beschlossen, ihn zur Ruhestätte verdienter Persönlichkeiten der Region zu machen; 1959 wurden die sterblichen Überreste von 79 Personen von einem aufgelösten Friedhof hierher überführt. Heute umfasst die Anlage rund 2 Hektar mit 868 Bestattungen in 577 Gräbern und steht unter Denkmalschutz.
Eine Kuriosität war der 1848–1852 bestehende „Vorraum des Todes“ – eine von der Familie Raczyński gestiftete Leichenhalle für Menschen, deren Angehörige fürchteten, sie könnten lebendig begraben werden. 1981 begann auf Initiative des Ökonomen Zbigniew Zakrzewski die Sanierung des Friedhofs.
Am Fuß des Hügels liegt eine Wiese ohne sichtbare Gräber – hier wurden die Opfer der Cholera-Epidemien von 1831 bis 1873 bestattet.
Seit 1923 dient die Krypta unter der benachbarten Adalbertkirche (kościół św. Wojciecha) als Pantheon Großpolens. Hier ruhen unter anderem Józef Wybicki, Dichter der polnischen Nationalhymne, und der Komponist Feliks Nowowiejski; die Kirche bewahrt zudem eine Urne mit dem Herzen von General Jan Henryk Dąbrowski, der in der Hymne besungen wird. Die Krypta ist nur an ausgewählten Tagen oder nach Absprache mit der Pfarrei zugänglich.
Der Friedhof liegt auf dem Wojciech-Hügel an der Ecke der Straßen Święty Wojciech und Księcia Józefa, etwa 10–15 Gehminuten nördlich des Alten Marktes. Von Berlin erreichst du Posen mit dem Zug in etwa 2,5–3 Stunden. Neben dem Hügel entsteht der Neubau des Museums des Großpolnischen Aufstands (Eröffnung für 2027 angekündigt), nördlich schließt sich der Zitadellenpark an – Posens größter Park auf dem Gelände der ehemaligen preußischen Festung Fort Winiary.
Für alle, die ruhige historische Orte mögen, ja: Der Friedhof ist ein stiller Gegenpol zur belebten Altstadt und ergänzt das Museum des Großpolnischen Aufstands am Alten Markt ideal.
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Geprüft: Oktober 2026