Burgen
Ostróda, Ermland-Masuren
Sechs Wochen lang war diese Ordensburg im Jahr 1807 das Hauptquartier Napoleons. Von hier aus regierte er sein Kaiserreich und unterzeichnete das Dekret über die ersten Bataillone eines Fuhrwesens (Train) in der Militärgeschichte. Zuvor hatte die Festung am Drewenzsee den Überfall des litauischen Fürsten Kinstut, die Kapitulation nach der Schlacht bei Tannenberg und einen großen Stadtbrand erlebt. 1945 ausgebrannt, wurde sie wiederaufgebaut und beherbergt heute das Museum in Ostróda.
Der Deutsche Orden wählte eine Stelle, an der die Drewenz (Drwęca) mit zwei Armen in den See mündete und eine natürliche Insel bildete. Zunächst, wahrscheinlich nach 1270, entstand hier ein hölzerner Hof mit Palisade, ab etwa 1300 Sitz eines Ordensvogts. Als 1341 die Komturei Osterode gegründet wurde, begann der Bau einer Backsteinburg. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts leitete Komtur Günter von Hohenstein die Arbeiten, bis sie 1381 durch Kinstuts Angriff unterbrochen wurden.
Die Burg war ein typisches Konventshaus: annähernd quadratisch mit etwa 45 m Seitenlänge, vier Flügeln, einer Kapelle im Südflügel und einem Tor mit Zugbrücke im Westen. Ungewöhnlich war, dass sie keine Türme hatte. Schon 1391 verzeichneten Inventare Geschütze und einen Vorrat an Steinkugeln. Nach der Schlacht bei Tannenberg 1410 übergab die Besatzung die Burg dem polnischen Heer; manche Historiker berichten, dass die Leichname gefallener Ordensritter, darunter Hochmeister Ulrich von Jungingen, kurz in der Kapelle aufgebahrt wurden. Im Herbst desselben Jahres eroberte der Orden die Burg zurück.
Nach 1525 wurde die Burg Sitz eines Amtes. Von 1636 bis 1639 verwaltete sie der schlesische Herzog Johann Christian von Brieg persönlich und lebte hier mit seinem Hof. 1788 löste ein Stadtbrand eine Pulverexplosion im Ostflügel aus – dieser wurde abgetragen, die übrigen Flügel auf das erste Obergeschoss reduziert. Vom 21. Februar bis 1. April 1807 wohnte Napoleon in einem Zimmer im ersten Stock des Nordflügels, nach ihm Marschall Davout. 1945 brannte die Burg aus, der Wiederaufbau begann 1974.
Das Museum nutzt das gotische Erdgeschoss mit Kreuzrippengewölben, in dem früher Wirtschaftsräume lagen. Im übrigen Teil der Burg befinden sich ein Kulturzentrum, eine Galerie und eine Bibliothek.
Laut Preisliste des Museums kostet das Normalticket für die Regionalausstellungen 22 PLN, ermäßigt 17 PLN, das Kombiticket mit der Folterausstellung 33 PLN. Für die Ausstellungen sollten Sie etwa eine Stunde einplanen. Die Öffnungszeiten prüfen Sie vorab auf der Website des Museums. Die Burg liegt direkt am Ufer des Drewenzsees, sodass sich ein Spaziergang über die Promenade anbietet – und Ostróda ist auch Ausgangspunkt für Fahrten auf dem Oberländischen Kanal.
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