Burgen
Nidzica, Ermland-Masuren
Die Burg in Nidzica, dem früheren Neidenburg, wurde im Frühjahr 1409 fertiggestellt – und schon ein Jahr später, am 12. Juli 1410, nahm das polnische Heer sie auf dem Weg nach Tannenberg (Grunwald) kampflos ein. Die mächtige Backsteinburg des Deutschen Ordens auf einem Hügel über der Stadt überstand Brände, napoleonische Truppen und die Bombardierung 1945 und beherbergt heute Museum, Hotel und Restaurant. Sie gilt als eines der wertvollsten Baudenkmäler Masurens, und den Burghof können Sie ohne Ticket betreten.
Die Burg entstand um 1400 als Sitz eines Pflegers des Deutschen Ordens, also eines Verwaltungsbeamten für einen Bezirk; der westliche Hauptflügel war 1405 fertig. Nach der Einnahme 1410 eroberten polnische Ritter sie im sogenannten Hungerkrieg erneut – am 6. Juli 1414 nach achttägiger Belagerung. 1455 wehrten böhmische Söldner unter Jan Kolda von Žampach hier einen Angriff des Ordensheeres ab. Die Vorburg wurde im 16. Jahrhundert erweitert und brannte 1784 ab. Die größten Schäden richteten französische Soldaten an, die hier zwischen 1806 und 1812 mit Unterbrechungen stationiert waren.
Vor dem völligen Verfall rettete die Burg der Justizrat Ferdinand Timotheus Gregorovius, der sie 1828–1830 zu Gericht, Wohnungen und Gefängnis umbaute. Er stellte die Bedingung, dass ihm die Bürger ein Denkmal setzen – es entstand im Burgpark erst über 70 Jahre später. Sein Sohn Ferdinand Gregorovius, 1821 in Neidenburg geboren, wurde ein angesehener Historiker des mittelalterlichen Rom. Im Winter 1945 wurde die Burg bombardiert und brannte aus, Decken und Teile der Mauern gingen verloren. Der vollständige Wiederaufbau samt Konservierung der Wandmalereien erfolgte 1961–1965.
Die Burg ist Sitz des Kulturzentrums von Nidzica. Hier befinden sich das Museum des Neidenburger Landes mit historischer und ethnografischer Ausstellung, eine Bibliothek, ein Bildhaueratelier, eine Galerie mit Werken von Hieronim Surpski und eine Ritterbruderschaft, außerdem ein Hotel und ein Restaurant. Rund um die Anlage liegt ein dichter Park aus dem 19. Jahrhundert. Der Zutritt zur Vorburg und zum Hof der Hauptburg ist frei, das Museum kostet Eintritt.
Für Hof, Museum und einen Rundgang um die Mauern sollten Sie 1–1,5 Stunden einplanen. Die Öffnungszeiten und Preise des Museums sind im Netz uneinheitlich angegeben – erkundigen Sie sich daher vorab beim Kulturzentrum von Nidzica. Den schönsten Blick auf die Burg haben Sie vom Park unterhalb des Hügels, besonders im Nachmittagslicht auf der Backsteinfassade. Eine Übernachtung in der Burg ist eine gute Basis für Ausflüge ins südliche Masuren, und in der Saison finden auf dem Hof verschiedene Freiluftveranstaltungen statt.
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