Burgen
Ujazd (Ujest), Oppeln
Auf einem Hügel über dem Städtchen Ujazd (Ujest) in der Woiwodschaft Oppeln stehen Backsteinmauern, die sich acht Jahrhunderte lang mit ihren Besitzern wandelten: vom steinernen Turm der Breslauer Bischöfe über einen Renaissancepalast bis zum Sitz der Fürsten zu Hohenlohe, die den Titel „Herzog von Ujest" trugen. 1945 ausgebrannt, war die Burg jahrzehntelang unzugänglich. Heute ist die Ruine gesichert, und von einer Terrasse auf Höhe des einstigen Obergeschosses blicken Sie über die Stadt und die Andreaskirche.
Ujest wird bereits 1155 erwähnt, in einer Bulle von Papst Hadrian IV., die die Besitzungen des Bistums Breslau aufzählt. Am Anfang stand ein steinerner Wohnturm – ein Donjon mit etwa 8,5 m Seitenlänge –, umgeben von Mauer, Palisaden und Graben. Im 13. Jahrhundert kam ein Bischofshaus hinzu; die Bischöfe hielten sich oft in Ujest auf, dem Zentrum ihrer Güter im Herzogtum Oppeln. Im 14. Jahrhundert wurde die Burg gotisch umgebaut. Um 1365, im Streit zwischen Bischof Preczlaw von Pogarell und Herzog Bolko III. von Oppeln, entstanden zusätzliche Befestigungen, die 1370 auf Befehl Kaiser Karls IV. geschleift wurden.
Im 15. Jahrhundert wechselte die Burg mehrfach den Besitzer: 1428 verpfändeten die Bischöfe sie an Herzog Bernhard, 1430 eroberten die Hussiten Ujest. 1524 verkaufte der Bischof die Herrschaft an die Familie Dluhomil von Birawa, und um 1580 baute Kaspar Dluhomil die Festung zu einem Renaissancepalast mit rundem Treppenturm um. Der Umbau war so teuer, dass er die Güter verpfänden musste. 1838 kaufte August zu Hohenlohe-Öhringen die Anlage für 150.000 Taler, und 1861 verlieh der preußische König seinem Sohn Hugo den Titel Herzog von Ujest.
Im Dezember 1536 machte Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz auf dem Weg nach Krakau Station in der Burg. Sein Hofmaler zeichnete damals ein Panorama von Ujest – das Blatt aus seinem Reisealbum ist bis heute erhalten. Das Ende kam am 23. Januar 1945, als die Rote Armee in Ujest einrückte. Rund 70 Prozent der Bebauung brannten nieder, darunter Rathaus und Schloss, das Fürst Hans zu Hohenlohe-Öhringen zuvor verlassen hatte.
2016 sicherte die staatliche Agentur für landwirtschaftliche Liegenschaften die Mauern, räumte die Keller und baute die Terrasse; 2019 investierte die Gemeinde rund 1 Mio. PLN in Wege, Grünanlagen und den Lehrpfad. Für Rundgang, Terrasse und Lehrpfad genügen 30–45 Minuten. Öffnungszeiten und Preise konnten wir auf keiner offiziellen Seite bestätigen; fragen Sie daher vor der Anreise beim Gemeindeamt nach den Zugangsregeln. Ujest lässt sich gut mit einem Ausflug zum Annaberg (Góra Świętej Anny) im selben Landkreis verbinden.
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