Paläste
Rudziniec, Schlesien
Mit Uhrturm, Spitztürmchen und Gauben wirkt das Backsteinschloss, als hätte man es aus den Niederlanden an den Rand der Autobahn A4 versetzt. Graf Franz II. von Ballestrem ließ es 1882–1885 für 386.000 Mark errichten; nach 1945 ging der einstige Sitz einer der reichsten Industriellenfamilien Oberschlesiens an die Kirche über. Heute ist es das Bildungs- und Formationszentrum des Bistums Gliwice, mit Park, einer Kapelle als Pfarrkirche und Repräsentationsräumen, die an bestimmten Tagen besichtigt werden können.
Pławniowice (Plawniowitz) wird 1317 erstmals erwähnt. In den Hofrechnungen König Władysław Jagiełłos von 1393 ist eine Burg mit polnischer Ritterbesatzung verzeichnet; Mauern einer unbekannten Befestigung fand man in den 1960er-Jahren einige hundert Meter vom Schloss entfernt. 1737 kaufte Freiherr Franz Wolfgang von Stechow das Gut, 1798 ging es durch Erbschaft an die aus Norditalien stammende Familie Ballestrem über, die es bis 1945 besaß.
Das heutige Schloss ersetzte einen Bau von 1737 und entstand nach Plänen des Baumeisters Konstanty Heidenreich aus Kopice. Es ist eine dreiflügelige, zweigeschossige Anlage auf U-förmigem Grundriss mit Klinkerfassaden und Steindetails im Stil der niederländischen Neorenaissance mit neugotischen Elementen. Über allem erhebt sich ein quadratischer Uhrturm mit hohem Zeltdach. Im Südwestflügel liegt die Kapelle der Unbefleckten Empfängnis, geweiht am 15. Oktober 1885.
Anfang 1945 floh Graf Nikolaus von Ballestrem vor der Roten Armee nach Dresden und kam dort bei den Luftangriffen im Februar 1945 ums Leben. Im Schloss war Sowjetmarschall Iwan Konew einquartiert, und die Porzellan- und Silbersammlungen verschwanden. Nach dem Krieg wohnten in einem Teil des Schlosses aus Lwiw umgesiedelte Benediktinerinnen, der Kapellenflügel diente einer Pfarrei, im Rest saß die Verwaltung eines Staatsguts. Seit 1989 betreut Pfarrer Krystian Worbs die Anlage; die Generalsanierung begann 1993, teilweise mit Mitteln des Bundesministeriums des Innern. 2007 erhielt das Ensemble den Preis „Gepflegtes Denkmal“ des polnischen Generalkonservators.
Der Eintritt in den Park kostet 15 PLN regulär und 10 PLN ermäßigt, geöffnet im Frühling und Sommer von 8:00 bis 18:00 Uhr. Die Repräsentationsräume können Einzelbesucher von April bis Juni sowie im September und Oktober sonntags (12:30–14:30 Uhr) und dienstags und donnerstags (14:00–15:30 Uhr) besichtigen; im Juli und August kommen Samstage hinzu. Von November bis März sind die Innenräume nur für angemeldete Gruppen geöffnet. Im Sommer findet die Konzertreihe „Pałacowe Lato Muzyczne“ statt, 2026 bereits zum 25. Mal. Das Schloss liegt an der Gliwicka 46 am Autobahnkreuz der A4 mit der Landesstraße 40, rund 18 km von Gliwice; planen Sie für Park und Hof eine Stunde, mit Innenräumen anderthalb Stunden ein.
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