Burgen
Toszek, Schlesien
Über dem Eingang der Burg Toszek steht noch immer die lateinische Inschrift CASPAR COMES COLONNA 1666, das letzte Werk eines Grafen, der im selben Jahr starb. Die Anlage auf einem Kalkhügel über der Stadt war Holzburg, Sitz piastischer Herzöge, barocke Residenz, Ruine und schließlich teilweise wiederaufgebaut. Heute beherbergt sie das städtische Kulturzentrum, für Besucher sind vor allem das Portal, die Türme und der Blick über das Toster Land interessant.
Eine Burganlage bestand hier wohl schon im 10.–11. Jahrhundert und war Sitz einer Kastellanei; ein Kastellan wird 1222 erwähnt. Anfang des 15. Jahrhunderts ersetzte eine gemauerte Burg die Holzbefestigung, 1429 zerstörten sie die Hussiten. Herzog Przemysław von Tost aus der Auschwitzer Linie der Piasten, der Dynastie, die im Mittelalter Polen und Schlesien regierte, baute sie wieder auf und residierte hier bis zu seinem Tod 1484. Danach gehörte die Burg den Herzögen von Oppeln und ab 1532 als böhmisches Lehen den Habsburgern. Die Familie von Redern erwarb sie 1592 und baute sie nach einem Brand von 1570 im Renaissancestil um.
Die größten Veränderungen brachte Graf Caspar Colonna, Besitzer ab 1638. In den Jahren 1650–1666 entstanden unter dem Mailänder Meister Giovanni Seregni Türme beiderseits des Torhauses, ein neues rechteckiges Schloss mit zwei Ecktürmen sowie Loggien und Arkadengalerien zum Hof. Hinzu kam ein Stallgebäude, das 1760 zur Orangerie wurde. Damit wurde Tost zu einer der ersten Magnatenresidenzen Oberschlesiens.
Im 18. Jahrhundert wechselten die Besitzer mehrfach; von 1791 bis 1797 gehörte die Burg Adolph von Eichendorff, dem Vater des romantischen Dichters Joseph von Eichendorff. 1811 brannte die Residenz ab und wurde nie wieder aufgebaut. 1840 kaufte Abraham Guradze die Ruine, seine Familie besaß sie bis 1945. In den Jahren 1957–1963 wurde die Burg teilweise rekonstruiert, heute dient sie der Kultur mit Ausstellungen, Konzerten und Trauungen.
Vom Marktplatz in Toszek gehen Sie zu Fuß zur Burg hinauf; für Hof, Mauern und Portal reichen 30–45 Minuten, ist der Turm zugänglich, kommt Zeit für die Aussicht hinzu. Betrachten Sie zuerst das Portal von außen und vergleichen Sie es dann mit dem spitzbogigen Portal zur Hofseite, das den Brand nur als Ruine überstand. Da die Burg ein aktives Kulturzentrum ist, sind bei Veranstaltungen und Hochzeiten Teile gesperrt, die Öffnungszeiten sollten Sie daher vorab prüfen. Toszek liegt rund 23 km von Gliwice entfernt direkt an der Autobahn A4 und eignet sich gut für einen kurzen Halt unterwegs.
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