Kirchen & Klöster
Toszek, Schlesien
Zwischen Marktplatz und Burg von Toszek (Tost) steht eine Kirche, zu der seit der Mitte des 18. Jahrhunderts Pilger aus ganz Oberschlesien und sogar aus dem damals russisch beherrschten Teil Polens kamen. Grund dafür war Papst Clemens XIII., der hier 1762 eine der wenigen Bruderschaften weltweit gründete, die dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht sind. Daher rühren das zweite Patrozinium der Kirche und ihr Ruf als Wallfahrtsort.
Eine Stadtchronik von 1201 erwähnt in Toszek eine Peterskirche, die zur Breslauer Abtei auf dem Elbing gehörte; bis 1264 wirkten hier Prämonstratenser. Nach den Zerstörungen des Mongolensturms ließ Herzog Bolko eine Steinkirche errichten und weihte sie der heiligen Katharina. Die Hussiten, die 1430 das nahe Bytom (Beuthen) und Gliwice (Gleiwitz) einnahmen, verwüsteten die Kirche erneut. Wiederaufgebaut wurde sie von Herzog Przemko – laut Pfarrchronik 1445, nach anderen Darstellungen 1456. Przemko, der 1450–1455 auch die Burg Tost erneuerte, ruht in der Gruft vor dem Chor.
1713–1715 ließ Baron Johann Dietrich von Peterswald, Herr auf Tost und Peiskretscham, die Kirche grundlegend umbauen. Er ließ ein Gewölbe einziehen, den hölzernen Glockenturm abreißen und einen massiven Turm errichten, in dessen unterem Geschoss die Orgelempore liegt. Der Baron stellte 7000 Gulden bereit, die Stadt lieferte Material, Arbeitskräfte und Fuhren. Am Giebel wurde ein lateinischer Spruch aus dem Buch Genesis angebracht: „Non est hic aliud nisi domus Dei, et porta coeli" – „Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und die Pforte des Himmels". Heute ist sie eine dreischiffige Barockkirche aus Bruchstein mit schmalen Seitenschiffen und einer Patronatsloge über der Sakristei.
Die Kirche liegt nur wenige Schritte vom Burgberg entfernt – besichtigen Sie beides zusammen und planen Sie für Marktplatz, Kirche und Burg 1–1,5 Stunden ein. Es ist eine aktive Pfarrkirche: Die Messzeiten veröffentlicht die Pfarrei, und am einfachsten sehen Sie den Innenraum kurz vor oder nach einem Gottesdienst. Die Kirche besitzt drei gusseiserne Glocken, die 1923 in der Gießerei Schilling & Lattermann im sächsischen Morgenröthe-Rautenkranz gegossen wurden.
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