Kirchen & Klöster
Die Große Synagoge in Tykocin ist ein gemauertes Bethaus aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts — heute die zweitgrößte und eine der ältesten erhaltenen Synagogen Polens. Der quadratische Bau mit 18 mal 18 Metern Grundfläche verbindet Barock mit spätrenaissance Elementen, und seit 1976 beherbergt er eine Filiale des Podlasie-Museums mit reicher Judaika-Sammlung.
Der Hauptraum misst 18,0 × 17,6 Meter und ist 9 Meter hoch. Ein neunfeldriges Gewölbe umgibt die Bima auf vier massiven Säulen mit Renaissancedekoration, und der Boden ist bewusst abgesenkt — ein Verweis auf die Worte des Psalms „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir". Im Turm wurden ein Rabbinerzimmer und eine Rekonstruktion des Pessach-Seders eingerichtet.
Die Synagoge entstand höchstwahrscheinlich nach dem Stadtbrand von 1638 an der Stelle eines älteren hölzernen Bethauses; im 18. Jahrhundert ergänzte man einen Turm, der als Gefängnis diente. 1941 verwüsteten die Deutschen das Innere und nutzten es als Lager, nach dem Krieg lagerten hier jahrelang sogar Kunstdünger. 1965 vernichtete ein Brand die einzigartige Bibliothek und das Archiv der jüdischen Gemeinde. Eine Grundsanierung in den Jahren 1974–1978 rettete das Gebäude.
Im Hauptraum werden historische Torarollen mit Kronen, Tass, Talitim, Tefillin, Chanukkiot und Menorot präsentiert. 1992 besuchte Israels Präsident Chaim Herzog die Synagoge. Tykocin bleibt einer der wichtigsten Punkte des jüdischen Erbes in Podlachien — die Synagoge liegt direkt am Kleinen Ring, sodass sich der Besuch gut mit einem Bummel durch das Städtchen verbinden lässt.
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