Kirchen & Klöster
Ludźmierz, Kleinpolen
Bei der Krönung im Jahr 1963 glitt das Zepter aus der Hand der Marienfigur – und ein junger Bischof namens Karol Wojtyła fing es auf. Später sahen viele darin ein Vorzeichen seiner Wahl zum Papst. Ludźmierz, die älteste Pfarrei im Bergland Podhale, zieht seit Jahrhunderten die Goralen, die Bergbewohner der Region, zu einer Figur, die sie Gaździna Podhala nennen, etwa „Hausherrin des Podhale“. Nach Kalwaria Zebrzydowska ist es der zweitwichtigste Wallfahrtsort des Erzbistums Krakau.
Die Geschichte von Ludźmierz beginnt 1234, als der Krakauer Woiwode Teodor aus dem Geschlecht der Gryfiten das Recht erhielt, im Podhale Siedlungen zu gründen, und hier eine Kirche aus Lärchenholz errichten ließ. Er holte auch Zisterzienser, die daneben ein hölzernes Kloster bauten, aber schon um 1245 nach Szczyrzyc zogen, vermutlich wegen Überfällen und Räuberbanden. Die Pfarrei leiteten sie dennoch bis 1824. Die heutige neugotische Kirche entstand 1869–1877 anstelle des abgetragenen Holzbaus, 2001 wurde sie zur Basilica minor erhoben.
Die hölzerne Figur der Muttergottes mit Kind kam um 1400 in die Kirche; Bildhauer und Stifter sind unbekannt. Sie ist rund 125 cm hoch und steht im Rokoko-Hochaltar, der aus der alten Kirche übernommen wurde. Der Legende nach blieb ein ungarischer Kaufmann, der Wein zum Markt nach Nowy Targ brachte, nachts im Sumpf bei Ludźmierz stecken. Als er zu beten begann, erschien ihm eine leuchtende Frauengestalt, führte ihn zurück auf die Straße und bis vor die Kirche, und wo er niederkniete, sprudelte eine Quelle. Zum Dank stiftete der Kaufmann eine Figur, die der Erscheinung glich.
Gekrönt wurde die Figur am 15. August 1963 von Primas Stefan Wyszyński; Karol Wojtyła war damals Bischof in Krakau. Als das Zepter aus der Hand der Figur glitt, fing der Bischof es auf, bevor es zu Boden fiel – nach 1978 deutete man dies als Prophezeiung. Kopien der Figur gelangten unter anderem nach Bethlehem und Chicago. Die Wallfahrtstradition der Goralen beschrieb der Schriftsteller Władysław Orkan im Roman „W roztokach“, und die „Vesper von Ludźmierz“ des Komponisten Jan Kanty Pawluśkiewicz vertrat die polnische Kultur auf der Expo 98 in Lissabon.
Die größten Feiern finden am 15. August, an Mariä Himmelfahrt, und am ersten Septembersonntag statt, wenn die Goralen ihr Erntedankfest zu Ehren der Muttergottes der Aussaat begehen. Dann sehen Sie Trachten, aber auch Menschenmengen und volle Parkplätze. Für einen ruhigen Besuch von Basilika, Garten und Quelle genügen 45–60 Minuten, am besten außerhalb der Gottesdienstzeiten. Ludźmierz liegt wenige Kilometer von Nowy Targ entfernt und ist ein bequemer Halt auf dem Weg nach Zakopane. Denken Sie daran, dass es ein aktives Heiligtum ist: Während der Gottesdienste bitte nicht in der Kirche umhergehen.
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