Märkte & Altstädte
Lanckorona, Kleinpolen
Der Marktplatz von Lanckorona fällt so steil ab, dass er als steilster an der Bernsteinstraße gilt – das Gefälle beträgt etwa 9,5 %. Ihn säumen schindelgedeckte Holzhäuser mit tiefen Lauben und kleinen Fenstern, wiederaufgebaut nach einem Großbrand in den 1860er-Jahren. Lanckorona war 568 Jahre lang eine Stadt – das Stadtrecht erhielt es 1366, verlor es 1934 –, und genau diese städtische Anlage im dörflichen Maßstab macht heute seinen Reiz aus.
Gegründet wurde die Stadt von König Kasimir dem Großen, der gern in den hiesigen Wäldern jagte und von hier aus den Wawel in Krakau (etwa 30 km) schnell erreichte. Die endgültige Lokation nach Magdeburger Recht erfolgte am 31. März 1366; das Privileg führte einen wöchentlichen Donnerstagsmarkt ein. Über der Stadt stand eine königliche Burg, deren Ruinen bis heute auf dem Gipfel des Lanckorona-Bergs verborgen liegen. 1537 verlieh König Sigismund der Alte das Recht auf zwei Jahrmärkte, und während der Konföderation von Bar – einem Aufstand polnischer Adliger gegen den russischen Einfluss im 18. Jahrhundert – war die Burg ein Stützpunkt der Konföderierten; am 21. Mai 1771 schlugen die Truppen Suworows sie bei Lanckorona.
Wendepunkt für den Marktplatz war ein Großbrand, den die Quellen auf 1868 oder 1869 datieren. Überlieferungen zufolge begann er mit der Brandstiftung an der Pfarrscheune – aus Rache für die Ernennung eines ortsfremden Pfarrers – und vernichtete 79 Häuser rund um den Platz. Beim Wiederaufbau erhielt der Marktplatz seinen heutigen hölzernen Charakter. Anfang des 20. Jahrhunderts war Lanckorona eine beliebte Sommerfrische mit Gästen aus ganz Polen.
Lanckorona trägt den Beinamen Stadt der Engel, und Künstler, die sich hier niedergelassen haben, prägen seinen Charakter mit. Das Wappen – ein Lorbeerkranz mit Krone und der Umschrift Sigillum regiae civitatis Landskoronensis – verlieh Kaiser Franz II. 1797, als die Stadt unter österreichischer Herrschaft stand. An der Grenze der Gemeinden Lanckorona und Budzów liegt ein Grabhügel, in dem vermutlich rund 300 im Jahr 1771 gefallene Konföderierte bestattet sind.
Der Marktplatz ist frei zugänglich; planen Sie 2–3 Stunden für Spaziergang, Museum und den Aufstieg zur Burgruine ein. Im Winter öffnet das Museum vor allem für Gruppen nach telefonischer Anmeldung; prüfen Sie außerhalb der Saison die Öffnungszeiten vorab. Beginnen Sie im Museum: Mit dem Modell des Marktplatzes vor dem Brand im Kopf können Sie draußen die frühere und die heutige Bebauung vergleichen.
Eintritt frei
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