Kirchen & Klöster
Zwischen Markt und Rathaus in Wieluń, gegenüber der Kirche St. Josef, liegen die freigelegten Fundamente der ältesten Pfarrkirche der Stadt – der Kollegiatkirche St. Michael. Der Bau entstand an der Wende zum 14. Jahrhundert, die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1308.
Nach dem großen Stadtbrand von 1335 wurde die Kirche erweitert und 1419 zur Kollegiatkirche erhoben, mit dem zweiten Patrozinium der Heiligen Jungfrau Maria. Am 1. September 1939 beschädigte ein Luftangriff Teile des südlichen Seitenschiffs. Die Schäden waren gering, dennoch entschieden die Besatzungsbehörden den Abbruch – die Kirche wurde 1940 gesprengt; an ihrer Stelle standen Baracken, in den 1960er Jahren kamen Schulräume hinzu.
In den Jahren 1988–1991 fanden archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen statt. Geborgen wurden unter anderem 186 Münzen aus dem 14. bis 19. Jahrhundert, Scherben von Ton- und Glasgefäßen, Textilfragmente sowie Ausstattungselemente von Kapellen und Grabmälern. Nach Abschluss der Arbeiten wurden die Fundamente erhöht und die Reste der Radoszewski-Kapelle gesichert; auf dem Platz steht ein Gedenkstein mit Tafel. Daneben erhebt sich ein Palais auf den Fundamenten der ehemaligen Burg, sodass ein Spaziergang durch die Innenstadt beide Geschichtsspuren natürlicherweise verbindet.
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